Untypische Geräusche vor Flugzeugabsturz

03.11.2015 • 21:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

US-Sicherheitsexperten schließen aus,
dass der Airbus ab­geschossen worden sein könnte.

MOskau. Beim Absturz des russischen Passagierflugzeugs über Ägypten sind nach Informationen der Agentur Interfax an Bord ungewöhnliche Geräusche aufgezeichnet worden. Dabei berief sich die Agentur am Dienstag auf informierte Kreise in Kairo. Dort werden nach dem Absturz vom Samstag mit 224 Toten die Flugschreiber ausgewertet. „Vor dem Moment des Verschwindens der Maschine von den Radarschirmen sind Geräusche aufgezeichnet worden, die nicht charakteristisch sind für einen normalen Flug“, zitierte die Agentur den Gesprächspartner. Kurz vorher habe es noch die normalen Gespräche zwischen Piloten und Lotsen gegeben ohne einen Hinweis auf Unregelmäßigkeiten.

Die Rumpfteile auf der Sinai-Halbinsel weisen russischen Angaben zufolge keine Beschädigung von außen auf. Auch US-Sicherheitsexperten hatten nach der Analyse von Satellitenfotos Medienberichten zufolge ausgeschlossen, dass die Maschine abgeschossen worden sein könnte.

Hitzeball zum Unfallzeitpunkt

US-Satelliten hätten zum Zeitpunkt des Absturzes einen Hitzeball über Sinai verzeichnet, berichteten die TV-Sender CBS und NBC. Es gebe aber keine Hinweise auf einen Abschuss durch eine Rakete. Nach Angaben russischer Behörden war der Airbus A321 bereits in der Luft zerbrochen. Das Flugunternehmen Kolavia schloss einen technischen Defekt an der mehr als 18 Jahre alten Maschine aus. Sie war auf dem Flug von Scharm el-Scheich nach St. Petersburg.

Russische Medien berichteten, dass an der Absturzstelle „Teile“ gefunden worden seien, die weder dem Flugzeug noch dem Gepäck zuzuordnen seien. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bestätigte dies aber zunächst nicht. „Es gibt keine neuen Erkenntnisse auf der Suche nach dem Absturzgrund“, sagte der Vertraute von Präsident Wladimir Putin.
Peskow kritisierte Berichte scharf, wonach ein möglicher Anschlag auf das Flugzeug mit russischen Luftangriffen auf Ziele in Syrien zusammenhängen könnte. Spekulationen über einen eventuellen Vergeltungsschlag etwa durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) seien zum jetzigen Zeitpunkt völlig unangebracht, sagte er.

Erste Absturzopfer identifiziert

Angehörige haben am Dienstag die ersten Opfer des Flugzeugabsturzes auf der Sinai-Halbinsel identifiziert. Aufgelöste Verwandte gingen am Dienstag den ganzen Tag über im städtischen Krematorium in St. Petersburg ein und aus, in dem die überstellten Toten aufbewahrt wurden. Alexej Smirnow vom Katastrophenschutzministerium sagte, dass bis Dienstag
140 Leichen nach Russland gebracht worden seien. Weitere Sonderflüge sollen folgen.