„Mafia Capitale“ wird der Prozess gemacht

Welt / 04.11.2015 • 22:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Kartell aus mafiösen Unternehmen hatte sich die Gunst von Funktionären und Politikern erkauft. Dutzende Personen wurden verhaftet.  EPA
Ein Kartell aus mafiösen Unternehmen hatte sich die Gunst von Funktionären und Politikern erkauft. Dutzende Personen wurden verhaftet. EPA

46 Personen angeklagt, darunter der neofaschistische Ex-Terrorist Massimo Carminati.

Rom. Jahrelang lief es wie geschmiert: Lokalpolitiker und Verwaltungsbeamte hielten in Rom die Hand auf und vergaben Aufträge an dubiose Firmen. Ob Straßenbau, Parkreinigung, Müllbeseitigung, Versorgung von Altenheimen oder Unterkünfte für Flüchtlinge – überall hatte die „Mafia Capitale“ (Hauptstadtmafia) ihre Finger im Spiel. Gegen anständige „tangenti“ (Bestechungsgelder) kamen ihre Unternehmen an öffentlichen Ausschreibungen vorbei zum Zuge. Doch dann ging es der Hauptstadtmafia an den Kragen. Im Dezember 2014 und im Juni dieses Jahres nahm die Polizei in zwei Verhaftungswellen mehrere Dutzend Männer und Frauen fest. Heute, Donnerstag, beginnt nun der „Maxi-Prozess“ gegen die „Mafia Capitale“. 46 Angeklagte müssen sich vor der X. Strafkammer des Gerichts von Rom verantworten. 136 Verhandlungstage sind angesetzt. Mafia und Korruption florierten mit Unterstützung des ehemaligen rechten Bürgermeisters Gianni Alemanno. Er und andere Politiker, darunter auch einige der sozialdemokratischen Partei PD von Premier Matteo Renzi, sollen mit der „Mafia Capitale“ unter einer Decke gesteckt haben, lautet der Vorwurf der Ermittler. Alemanno, der zwischen 2008 und 2013 im Amt war, weist alle Vorwürfe zurück. Premier Matteo Renzi entließ umgehend örtliche Parteispitzen.

Hauptangeklagter im Prozess ist der römische Mafiaboss und ehemalige neofaschistische Terrorist Massimo Carminati. Weil er bei einer Schießerei ein Auge verloren hat, wird er der „Einäugige“ oder auch „König von Rom“ genannt . Mit ihm stehen seine Komplizen, der Unternehmer Salvatore Buzzi und der frühere Rechtsterrorist Riccardo Brugia, vor Gericht.

„Kriminelle Aktivitäten in Rom hat es immer gegeben. Aber bis jetzt sind sie unterschätzt worden“, sagte der Chef der Anti-Korruptionsbehörde, Raffaele Cantone. Der Prozess beweist, dass die Mafia schon lange kein regional begrenztes Problem mehr sei, analysierten Experten.