Klimawandel vertreibt Chinesen aus der Heimat

05.11.2015 • 21:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Yao Xiaohua (46) und ihre Enkeltochter Yang Liping leben noch in Dacha. 350.000 Menschen aus der Region sollen umgesiedelt werden. Foto: AP
Yao Xiaohua (46) und ihre Enkeltochter Yang Liping leben noch in Dacha. 350.000 Menschen aus der Region sollen umgesiedelt werden. Foto: AP

Chinesische Behörden sind stolz auf groß angelegte Umsiedelungsprojekte aus Dürre-Regionen.

dacha. Yang Zhenjun will nicht wegziehen aus dem Tal, in dem seine Familie seit fünf Generationen Schafe hütet und Ackerbau betreibt. Dennoch weiß der Dorfälteste von Dacha in der Provinz Ningxia, dass er seine dürregeplagte Heimat bald verlassen muss. Von ehemals 60 Familien der Gemeinde sind noch elf übrig, die anderen zogen aus der Gegend im Nordwesten Chinas in die Ebenen im Norden mit besserer Infrastruktur und genügend Wasser.

Die meisten Dorfbewohner wurden im Rahmen eines staatlichen Umsiedlungsprojekts für 350.000 Menschen aus bitterer Armut geholt: Der Anstieg der Durchschnitts­temperaturen um 2,2 Grad Celsius in den vergangenen 50 Jahren trocknete das Land aus und machte das Leben in dem Gebiet im Bezirk Xiji  beschwerlich. Die klimabedingte Vertreibung nimmt nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) weltweit zu. Auf dem Pariser Klimagipfel ab dem 30. November will die UN-Behörde das Bewusstsein für dieses globale Problem schärfen. Damit die Staaten dies in ihrer Klimapolitik berücksichtigen, soll in Paris „die ausdrückliche Anerkennung“ von Klima-Vertriebenen gefordert werden, betont UNHCR-Sprecher Andreas Needham.

Behörden sind stolz

26,4 Millionen Menschen wurden seit 2008 durchschnittlich pro Jahr von Naturkatastrophen aus ihrer Heimat vertrieben. Vergangenes Jahr waren es 19,3 Millionen. Mehr als 85 Prozent davon entfielen 2014 laut UNHCR auf Asien. Die chinesischen Behörden sind stolz auf das Umsiedlungsprojekt. Zou Yuzhong von der Bezirksbehörde zur Armutsbekämpfung betont, der Staat hole die Leute aus unwirtlichen Klimazonen, „um sie auf Erfolgskurs zu bringen“. Wang Yuxiao vom nichtstaatlichen Yinchuan Green Sustai­nability Development Centre sieht das anders: „Es gibt viele Alte, die ihre alten Häuser nicht verlassen wollen. Ein weiteres Problem der Migranten ist die Arbeitssuche, wenn sie in ihr neues Zuhause gezogen sind.“

„Wir haben nichts“

Junge Leute gewöhnen sich besser um als die Alten, wie auch der 52-jährige Ma Bingfu meint, der aus dem Dorf Taobao in Xiji nach Pingluo kam. „Wo wir jetzt leben, gibt es Wasser und gute Straßen, und den Jungen geht es gut. Doch die alten Leute mögen es nicht. Wir finden keine Arbeit und haben kein Land zum Bestellen. In unseren alten Dörfern hatten wir Land, hier haben wir nichts.“