Ziemlich dicke Freunde

Welt / 19.11.2015 • 22:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Elefanten in Ban Ta Kang malen für die Touristen Bilder oder werfen Darpfeile. Tierquälerei sagen die einen, gelebter Artenschutz die anderen.

Die Elefanten in Ban Ta Kang malen für die Touristen Bilder oder werfen Darpfeile. Tierquälerei sagen die einen, gelebter Artenschutz die anderen.

Seit Jahrhunderten leben und arbeiten Elefanten und Menschen im Dorf Ban Ta Klang zusammen.

Ban Ta Klang. In jedem anderen Land wäre Praethong ein ungewöhnliches Haustier. Mit einem Gewicht von vier Tonnen und Appetit auf 400 Kilo Futter pro Tag ist sie ja auch nicht pflegeleicht. Doch in ihrem Dorf in Thailand fällt die zwanzig Jahre alte Elefantendame nicht weiter auf. Denn Praethong ist nur einer von rund 200 Dickhäutern in Ban Ta Klang, dem größten Elefantendorf Thailands – und wohl auch der Welt. Nun wollen sie heute, Freitag, in der benachbarten Stadt Surin ihren eigenen Rekord brechen: für das größte Elefantenbuffet der Welt, mit mehr als 60 Tonnen Gurken, Bananen und Melonen – und knapp 300 hungrigen Elefanten. Wenn alles klappt, werden sie ihren alten Rekord von 2003 brechen.

Früher zogen Zehntausende Dickhäuter durch die üppigen Wälder des Landes. Heute sind es nur noch einige Hundert. Die Rodungen nahmen den Tieren den Lebensraum. Als die Abholzungen 1989 verboten wurden, verloren die Holzfäller und ihre Arbeitselefanten den Job. Für viele Menschen sind Elefanten nun die wichtigste Einnahmequelle – in einer Region, die zu den ärmsten des Landes gehört.

Praethongs Elefantenführer Chatree Salangam kennt seine Dickhäuterin seit ihrer Geburt. Ende der 1990er-Jahre, als Praethong noch ein Elefantenkalb war, bettelten die beiden in der 800 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Chiang Mai um Geld für ihre Familie. Chatrees Tochter war gerade geboren. Dann wurde in ihrem Heimatdorf ein Elefantenzentrum eröffnet – und Chatree und Praethong kehrten zurück.

Wenn Touristen kommen, treten die Tiere nun auf wie im Zirkus, werfen Dartpfeile oder malen Bilder. Wer will, darf auch auf ihnen reiten. Doch Tierschützer kritisieren diese Art der Haltung. „Die Elefanten sind den ganzen Tag über angekettet“, kritisiert etwa Tina Blessers, eine belgische Tierpflegerin, die eine Woche im Dorf verbrachte. „Die Tiere sollten besser Dinge machen, die in ihrer Natur liegen –
herumstromern zum Beispiel“, sagt sie.

Ortsvorsteher Pakit Pungpattana, der Gründer des Elefantenzentrums, weist die Kritik von sich. „Wir sind nicht wie andere Touristencamps“, sagt Pakit, der selbst sieben Elefanten hält. „Wir tun das, weil wir Elefanten lieben.“ Die Tiere würden in Gefangenschaft geboren und früh an die langen Ketten gewöhnt. „Wenn wir sie anketten, dann nicht, um sie zu quälen. Wir wollen sie nur davon abhalten, andere Leute zu verletzen.“

Die Elefanten in Ban Ta Klang malen für die Touristen Bilder oder werfen Dartpfeile. Tierquälerei sagen die einen, gelebter Artenschutz die anderen.
Die Elefanten in Ban Ta Klang malen für die Touristen Bilder oder werfen Dartpfeile. Tierquälerei sagen die einen, gelebter Artenschutz die anderen.