Rätselhaftes Virus hält Lateinamerika in Atem

23.11.2015 • 21:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Menschen in Brasilien lassen sich auf Dengue-Fieber testen. Dengue wird wie das neue Zika-Virus von der Mücke Aedes aegypti übertragen.  Reuters
Menschen in Brasilien lassen sich auf Dengue-Fieber testen. Dengue wird wie das neue Zika-Virus von der Mücke Aedes aegypti übertragen. Reuters

Vermehrte Schädelfehlbildungen bei Babys. Gesundheitsnotstand in Brasilien.

rio de janeiro. Fieber, Kopfschmerzen, Hautausschläge. Ähnlich wie bei Malaria treten die Symptome meist erst zwölf Tage nach dem Moskitostich auf. Doch die Spätfolgen des plötzlich gehäuft in Süd- und Mittelamerika auftauchenden Zika-Virus könnten fatal sein: Drohen Babys Schädelfehlbildungen, wenn Schwangere über einen Moskitostich mit dem Zika-Virus infiziert wurden?

Nach Angaben des Instituts Oswaldo Cruz in Rio de Janeiro wurde das Virus zuletzt bei zwei Frauen im brasilianischen Bundesstaat Paraíba nachgewiesen, deren Föten bei Ultraschalluntersuchungen Mikrozephalie aufwiesen: Sie haben viel zu kleine Schädel, was in der Regel zu geistiger Behinderung führt. Brasilien hat nun sogar den Gesundheitsnotstand ausgerufen. In diesem Jahr wurden vor allem im Nordosten des Landes bereits 399 Fälle von Mikrozephalie festgestellt, davon allein 268 im Bundesstaat Pernambuco mit der Hauptstadt Recife. Das Gesundheitsministerium warnt zugleich: „Die aktuellen Daten lassen noch keinen eindeutigen Schluss zu, dass es eine Beziehung gibt zwischen der Zika-Infektion und Mikrozephalie.“

Das Zika-Virus wird von der Stechmückenart Aedes aegypti übertragen wie auch die Dengue- und Chikungunya-Viren. Ursprünglich stammt der Erreger aus Uganda.

Fälle werden derzeit auch aus Chile, Kolumbien und Mexiko gemeldet. Dort werden kubanische Migranten quasi unter Generalverdacht gestellt. Seit immer mehr von ihnen unterwegs sind, haben die Behörden an der Südgrenze Mexikos die Kontrollen deutlich verstärkt. Bisher ist allerdings kein einziger Fall von Migranten, die das Zika-Virus einschleppten, gemeldet worden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist alarmiert. Die Staaten der Region müssten den Schutz vor dem Virus verstärken und die Bevölkerung über die Gefahren informieren, fordert die WHO. Aber die Ungewissheit zeigt auch: Das Virus ist kaum erforscht.