Loveparade-Unglück kommt nicht vor Gericht

Welt / 05.04.2016 • 22:51 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
An einer Treppe am Unglücksort wird der Opfer gedacht. Die Verantwortlichen kommen wohl nicht vor Gericht. Foto: AP
An einer Treppe am Unglücksort wird der Opfer gedacht. Die Verantwortlichen kommen wohl nicht vor Gericht. Foto: AP

Trotz fünfjähriger Ermittlung sieht Gericht keinen ausreichenden Tatverdacht.

Duisburg. Nach dem Loveparade-Unglück vor fast sechs Jahren mit 21 Toten soll es nach einem Beschluss des Duisburger Landgerichts keinen Strafprozess geben. Wie das Gericht am Dienstag mitteilte, wurde die Anklage gegen zehn Beteiligte nicht zur Hauptverhandlung zugelassen. Anwälte der Nebenkläger kritisierten die Entscheidung in ersten Reaktionen heftig.

Bei der Loveparade in Duisburg am 24. Juli 2010 war es an einer Engstelle zu einem tödlichen Gedränge gekommen. 21 Menschen starben bei dem Technofestival, mindestens 652 wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Im Februar 2014 hatte die Staatsanwaltschaft Duisburg Anklage gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters erhoben. Ihnen wurden fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Seitdem hatte das Landgericht im sogenannten Zwischenverfahren aufwendig geprüft, ob eine Verurteilung im Hauptverfahren – also in der eigentlichen Gerichtsverhandlung – wahrscheinlich ist.

„Die eingehende Prüfung der Anklagevorwürfe und der hierzu vorgelegten Beweismittel durch die 5. Große Strafkammer des Landgerichts Duisburg hat ergeben, dass kein hinreichender Tatverdacht besteht“, teilte das Gericht mit. Die Vorwürfe der Anklage könnten mit den vorgelegten Beweismitteln nicht bewiesen werden. „Eine Verurteilung der Angeklagten ist deshalb nicht zu erwarten“, hieß es weiter. Das Gutachten leide an gravierenden inhaltlichen und methodischen Mängeln, befand das Duisburger Gericht in seinem 460 Seiten umfassenden Beschluss.

Die Rechtsvertreter der Nebenkläger reagierten heftig auf die Entscheidung. „Das ist ein Justizskandal, nach fünfeinhalb Jahren Ermittlungen zu so einem Ergebnis zu kommen“, sagte der Düsseldorfer Anwalt Julius Reiter. Er vertritt rund 100 Betroffene, darunter die Angehörigen von vier Todesopfern.