Piraten machen Meer in Südostasien zur Hölle

20.07.2016 • 20:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Geballte Militärmacht gegen Piraten: Malaysia, Singapur und Indonesien fahren schweres Geschütz auf.  Foto: Reuters
Geballte Militärmacht gegen Piraten: Malaysia, Singapur und Indonesien fahren schweres Geschütz auf.  Foto: Reuters

Wer „Piraten“ hört, denkt an Somalia. Dabei sind andere Gewässer heute viel gefährlicher.

Kuala Lumpur. 28. Juni 2016, Insel Mangkai, Indonesien: „Zehn Piraten entern Tanker“, meldet die Piraterie-Meldestelle IMB. „Sie halten die Besatzung als Geiseln und schlagen sie.“ Am selben Tag, östlich von Borneo: Die Crew eines anderen Tankers wehrt zwei Eindringlinge ab. „Besatzungsmitglieder in Sicherheit.“ Sieben Tage vorher in Dumai, Sumatra, an der Straße von Malakka zwischen Indonesien und Malaysia: „Drei mit Messern bewaffnete Räuber überfallen Massengutfrachter.“

Somalia in Ostafrika hat lange die Piraterie-Schlagzeilen beherrscht, aber ein Blick auf die Weltkarte der Piraterie-Meldestelle zeigt: Die meisten Angriffe finden in indonesischen Gewässern und der Straße von Malakka zwischen Indonesien, Malaysia und Singapur statt. Mehr als ein Dutzend Fähnchen flattern dort virtuell im Juli, zwei Schiffe sind unter „entführt“ gelistet. „Die Gewässer Südostasiens sind wieder zu einer großen Bedrohung für die internationale Schifffahrt geworden“, schreibt Karsten von Hoesslin in einem Bericht für das Netzwerk Globale Initiative gegen transnationale organisierte Kriminalität. 120.000 Schiffe passieren die Straße von Malakka jährlich. Malaysia fährt nun in Zusammenarbeit mit Singapur und Indonesien schweres Geschütz auf. Auf besonders gefährdeten Tankern fahren bewaffnete Soldaten mit. Die Luftwaffe patrouilliert mit den neuesten  Aufklärungsflugzeugen.

Weiter östlich lauert eine weitere Gefahr: In der Celebes-See zwischen Malaysia, Indonesien und den Philippinen treiben Abu-Sayyaf-Terroristen ihr Unwesen. Unter dem Deckmantel des Kampfes für mehr Autonomie für Muslime im Süden der Philippinen drangsalieren sie die Bevölkerung. Ihr dreckiges Geschäft finanzieren sie mit Entführungen, zunehmend auch auf See. Im Jahr sind dort 100.000 Schiffe unterwegs, 18 Millionen Passagiere und Fracht im Wert von 40 Milliarden Dollar.