Mann richtet mit Machete Blutbad an

24.07.2016 • 20:39 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Polizei hat den Mann wenige Minuten nach der Attake in Tatortnähe festnehmen können. Foto: AP
Die Polizei hat den Mann wenige Minuten nach der Attake in Tatortnähe festnehmen können. Foto: AP

Ein 21-Jähriger hat am Sonntag im Zentrum von Reutlingen eine Frau getötet und zwei Menschen verletzt.

Reutlingen. Es ist die dritte Aufsehen erregende Gewalttat in Deutschland in dieser Woche: Am Sonntag hat ein Mann mit einer Machete in der Innenstadt von Reutlingen im deutschen Bundesland Baden-Württemberg ein Blutbad angerichtet. Ein wegen Gewaltdelikten polizeibekannter 21-jähriger Asylwerber aus Syrien sei beim Busbahnhof in Streit mit einer Frau geraten und habe sie mit der Machete getötet. Danach hat er noch einen weiteren Mann und eine Frau verletzt.

Polizei prüft Beziehungstat

Die durch Notrufe alarmierte Polizei der baden-württembergischen Stadt habe den Mann wenige Minuten später in Tatortnähe festnehmen können. Die als Tatwaffe verwendete Machete hatte nach Polizeiangaben eine 30 bis 40 Zentimeter lange Klinge. Es gebe keine Anhaltspunkte für einen terroristischen Anschlag, teilte die Polizei später mit. Es gebe auch keine Hinweise auf weitere Täter. Weitere Angaben zum Motiv der Tat konnte die Polizei nicht machen.

Die Bluttat geschah den Angaben zufolge auf offener Straße in der Reutlinger Innenstadt am zentralen Omnibusbahnhof. Zahlreiche Passanten wurden Augenzeugen der Tat. Laut Polizei schlug der Mann mit der Machete wild um sich, bevor er überwältigt wurde. Die Polizei prüfte nach der Attacke ob eine sogenannte Beziehungstat vorliegt. „Wenn ein Mann und eine Frau in Streit geraten, geht man von einer Beziehungstat aus“, sagte ein Polizeisprecher. Die beiden Verletzten des Machetenangriffs waren nach Angaben der Polizei Zufallsopfer. Eine Autofahrerin und ein Mann waren dem Täter auf seiner Flucht auf der Straße unbeabsichtigt in die Quere gekommen, sagte ein Polizeisprecher am Abend. Er schlug den Angaben zufolge mit der Waffe auf das zufällig vorbeifahrende Auto ein und zertrümmerte die Scheiben. So wurde die am Steuer sitzende Fahrerin den Angaben zufolge verletzt. Der festgenommene Verdächtige werde rasch vernommen. Sein Motiv sei nun Gegenstand der Ermittlungen.

Auto rammte Täter

Die „Bild“-Zeitung berichtete, dass es sich bei der Toten um eine Reinigungskraft in einem türkischen Restaurant gehandelt habe. Der Sohn des Restaurantinhabers habe Schlimmeres verhindert, indem er mit seinem Auto den auf der Straße tobenden Mann rammte. Der Lenker habe den flüchtenden Angreifer mit seinem Wagen bewusst angefahren, bestätigte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Der Mann, der dabei leicht verletzt wurde, stürzte zu Boden, Polizisten nahmen ihn fest. Der Autofahrer hatte die Bluttat zuvor gesehen und sein Auto auf den Angreifer gesteuert. Der 21-Jährige soll einem Augenzeugen zufolge völlig von Sinnen gewesen sein und sogar ein Polizeiauto mit der Machete verfolgt haben. Gegen den 21-Jährigen gab es laut Polizei schon mehrere Anzeigen wegen Körperverletzungen.

Die Bluttat im Zentrum der 112.500 Einwohner zählenden Stadt, rund 40 Kilometer von Stuttgart entfernt, löste bei Augenzeugen Panik aus.  Eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht mehr, teilte das Rathaus zwei Stunden nach der Tat mit. Nach dem tödlichen Machetenangriff richtet sich die Polizei am Tatort auf eine längere Spurensuche ein. Die Untersuchungen stünden erst am Anfang, sagte ein Sprecher am Sonntagabend. Mit Hilfe von Hinweisen und Spuren vom Tatort werde versucht, den Tathergang zu rekonstruieren. Das Gebiet in der Reutlinger Innenstadt wurde weiträumig abgesperrt.

Anteilnahme

Die Stadtverwaltung habe einen Führungsstab eingerichtet und unterstütze die Polizei bei ihrer Arbeit. Zahlreiche Einwohner hatten sich zuvor aus Sorge über Notruf bei der Polizei gemeldet. Sie waren unter dem Eindruck des Amoklaufs von München den Angaben zufolge von der Tat in ihrer Stadt stark verunsichert und verängstigt gewesen. Rund um den abgesperrten Tatort versammelten sich am Abend viele Schaulustige, die der Spurensicherung bei der Arbeit zusahen.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl hat nach der Bluttat das schnelle Eingreifen der Polizei gelobt. „Der Täter konnte Gott sei Dank gleich festgenommen werden.“ Er stehe mit den Ermittlungsbehörden in Reutlingen in ständigem Kontakt und lasse sich über die weiteren Ermittlungen auf dem Laufenden halten: „Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der getöteten Frau und bei den Verletzten.“

Die Tat geschah auf offener Straße in der Reutlinger Innenstadt am zentralen Omnibusbahnhof. Foto: dpa
Die Tat geschah auf offener Straße in der Reutlinger Innenstadt am zentralen Omnibusbahnhof. Foto: dpa