Mitwisser traf Münchner Amokläufer vor der Tat

Welt / 25.07.2016 • 22:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Am Sonntag haben sich mehr als 1500 Menschen zum stillen Gedenken an die Opfer am Tatort versammelt. Foto: Dpa
Am Sonntag haben sich mehr als 1500 Menschen zum stillen Gedenken an die Opfer am Tatort versammelt. Foto: Dpa

Der 16-Jährige soll gewusst haben, dass der Täter im Besitz einer Glock 17 ist.

München. Ein mutmaßlicher Mitwisser des Amok­-schützen von München hat sich nach Angaben der Ermittler kurz vor der Tat mit dem 18-Jährigen im Bereich des Tatorts getroffen und möglicherweise von dessen Waffe gewusst.

Der 16-Jährige habe zudem einen Chat mit dem Täter gelöscht, teilte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch am Montag mit. Die Polizei habe den Verlauf der Kommunikation über den Dienst WhatsApp aber wiederhergestellt.

Am Montag wurde er nach Angaben der Polizei wieder auf freien Fuß gesetzt, da der Haftrichter keinen Haftgrund gesehen habe. Die Staatsanwaltschaft werde Beschwerde dagegen einlegen.

Der 18-Jährige hat am Freitagabend neun Menschen und sich selbst umgebracht. Dabei habe er sich vermutlich an Killerspielen orientiert. „Mein Eindruck war, der hat sich wie in einem Computerspiel bewegt“, sagte Kriminaldirektor Hermann Utz. Der mutmaßliche Mitwisser hat den Amokläufer laut Ermittler im vergangenen Sommer in einer Psychiatrie kennengelernt, wo beide wegen depressiver Erkrankungen behandelt wurden. Dort habe der 16-Jährige erfahren, dass der Täter den norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik verehrt habe, sagte Steinkraus-Koch. Der 18-Jährige habe auch geäußert, er habe einen Hass auf Menschen.

Aufgrund des wiederhergestellten Chat-Verlaufs und einer neuen Vernehmung gebe es die Vermutung, dass der 16-Jährige wusste, dass der Amokschütze im Besitz einer Glock 17 ist, sagte Steinkraus-Koch am Montag. Deshalb – wegen der Anwesenheit am Tatort und einer möglichen Kenntnis von der Waffe – gehen die Ermittler davon aus, dass er etwas von der Tat gewusst haben könnte. Zum Tatzeitpunkt war der 16-Jährige aber nicht mehr in der Nähe des Einkaufszentrums. Er soll am Freitag von einem Freund von dem Amoklauf erfahren und sich dann gegen 21.30 Uhr bei der Polizei gemeldet haben.