Papst fordert Polen zur Hilfe für Flüchtlinge auf

27.07.2016 • 20:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
500.000 junge Pilger fanden sich in Krakau ein.
500.000 junge Pilger fanden sich in Krakau ein.

Papst Franziskus nimmt die Mächtigen in Polen bei der Flüchtlingfrage in die Pflicht.

Krakau. Zum Auftakt seines Polen-Besuches hat Papst Franziskus die national-konservative Regierung des EU-Landes zur Aufnahme von Flüchtlingen aufgefordert. Es sei die Bereitschaft zur Aufnahme derer notwendig, die vor Kriegen und Hunger fliehen, sagte das Kirchen­oberhaupt am Mittwoch bei einem Treffen mit der polnischen Staatsspitze um Präsident Andrzej Duda und Regierungschefin Beata Szydlo in Krakau. Diejenigen, die ihrer Grundrechte beraubt seien oder des Rechtes, in Freiheit und Sicherheit den eigenen Glauben zu bekennen, benötigten Solidarität.

Eine halbe Million junge Pilger

Polen, ein tiefkatholisches Land, weigert sich im Unterschied zu anderen EU-Staaten, in nennenswertem Umfang muslimische Flüchtlinge aus Krisengebieten wie Syrien, Irak oder Afghanistan aufzunehmen. Dies hatte Regierungschefin Szydlo vor dem Hintergrund der jüngsten Anschläge in Deutschland und Frankreich jüngst nochmals betont. Franziskus nimmt in Krakau am Weltjugendtag teil, zu dem sich mehr als eine halbe Million junge Pilger versammelt hat. Zudem will der Argentinier auf seiner fünftägigen ersten Polen-Reise das ehemalige deutsche NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besuchen und dort Holocaust-Überlebende treffen.

„Welt im Kriegszustand“

Sein Programm umfasst auch einen Besuch im Wallfahrtsort Tschenstochau, wo sich die Schwarze Madonna befindet, das Nationalheiligtum Polens. Das Phänomen der Migration verlange eine zusätzliche Portion an Barmherzigkeit, um Ängste zu überwinden und das Optimum zu verwirklichen. Gleichzeitig müssten Formen der Zusammenarbeit auf internationaler Ebene vorangetrieben werden, um Lösungen für Konflikte und Kriege zu finden, die so viele Menschen zum Verlassen ihrer Heimat zwingen.

25.000 Sicherheitskräfte

Auf seinem Flug nach Krakau hatte Franziskus deutlich gemacht, dass er die Welt derzeit in einem Kriegszustand sieht. „Wir dürfen keine Angst haben, die Wahrheit zu sagen: Die Welt ist im Krieg, weil sie den Frieden verloren hat.“ Er spreche dabei nicht von einem Krieg der Religionen. „Es ist ein Krieg um Interessen und Geld. Ich spreche nicht von einem Krieg der Religionen.“ Alle Religionen wünschten sich Frieden. Seine Reise steht unter dem Eindruck mehrerer blutiger Anschläge, darunter in Nizza, München, Ansbach und dem Angriff auf eine katholische Kirche bei Rouen in Nordfrankreich. Die Sicherheitsvorkehrungen in Krakau, wo junge Katholiken aus 187 Staaten am Weltjugendtag teilnehmen, sind sehr groß: 25.000 Sicherheitskräfte sollen für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Papst Franziskus wurde beim Weltjugendtag von Polens Präsident Andrzej Duda empfangen. Fotos: AFP
Papst Franziskus wurde beim Weltjugendtag von Polens Präsident Andrzej Duda empfangen. Fotos: AFP