Papst begeht Tag des Schmerzes und der Stille

Welt / 29.07.2016 • 22:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In aller Stille ging Papst Franziskus durch die Gedenkstätte, zog sich zum Gebet in eine Todeszelle zurück – und hinterließ eine Botschaft. Reuters
In aller Stille ging Papst Franziskus durch die Gedenkstätte, zog sich zum Gebet in eine Todeszelle zurück – und hinterließ eine Botschaft. Reuters

Auf seiner ersten Polenreise hat Papst Franziskus das frühere KZ Auschwitz besucht.

Krakau. Papst Franziskus hat im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz in aller Stille der Holocaust-Opfer gedacht und Gott um Vergebung für die Gräuel gebeten. Bei einem knapp zweistündigen Besuch im Stammlager sowie im nahe gelegenen Vernichtungslager Birkenau hielt der Papst am Freitag immer wieder inne, um zu beten und seine Gedanken den Ermordeten zu widmen. Er traf auch Überlebende sowie Menschen, die im Nationalsozialismus unter Einsatz ihres Lebens Juden vor dem Tod retteten.

„Herr vergib uns“

In Auschwitz-Birkenau töteten die Nazis mehr als 1,1 Millionen Menschen, vor allem Juden. Franziskus ist der dritte Papst, der die Gedenkstätte im Süden Polens besuchte. Schon zuvor hatte er deutlich gemacht, dass er im Gegensatz zu seinen Vorgängern Johannes Paul II. und Benedikt XVI. schweigen wollte. Der Vatikan sprach von einem „Tag des Leidens“, an dem der Schmerz im Mittelpunkt stehe. In einem Besucherbuch in Auschwitz schrieb Franziskus in seiner Muttersprache Spanisch einige Gedanken nieder: „Herr, habe Erbarmen mit deinem Volk!“, heißt es dort. „Herr, vergib uns so viel Grausamkeit.“

Zum Auftakt seines Besuches ging der Papst mit leicht gesenktem Haupt und ernster Miene durch das Eingangstor des früheren Stammlagers, über dem der zynische Spruch „Arbeit macht frei“ steht. Kurz darauf setzte er sich zwischen den Blöcken hin und verharrte dort etwa 15 Minuten im stillen Gebet.

Franziskus traf mehrere Holocaust-Überlebende und wechselte einige Worte mit ihnen, dann stellte er an der „Todeswand“, an der Menschen erschossen wurden, eine Kerze ab. Er berührte auch einen Pfeiler eines Galgens. Im düsteren Keller des Blocks 11 saß und betete der Papst in der nur spärlich beleuchteten Todeszelle des Franziskanermönchs Maximilian Kolbe, der vor 75 Jahren ermordet wurde. Dann verließ der Argentinier das Stammlager erneut zu Fuß und allein durch das Tor.

Auf dem nahe gelegenen Gelände des Vernichtungslagers Birkenau stellte Franziskus am Mahnmal nahe der Ruinen der Krematorien ein Gefäß mit mehreren Kerzen nieder. Auch hier verharrte er minutenlang und in aller Stille und schaute sich die Gedenktafeln an. Ein Rabbiner trug einen Psalm auf Hebräisch vor. Rund 1000 geladene Gäste verfolgten die Szenerie, darunter KZ-Überlebende.

Frühere Häftlinge und Vertreter jüdischer Verbände lobten das demütige und stille Auftreten des Papstes in Auschwitz.