Japans Kaiser Akihito peilt die Abdankung an

Welt / 08.08.2016 • 22:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der 82-jährige Monarch sprach erst zum zweiten Mal überhaupt im Fernsehen zu seinem Volk. Foto: Reuters
Der 82-jährige Monarch sprach erst zum zweiten Mal überhaupt im Fernsehen zu seinem Volk. Foto: Reuters

„Tenno“ befürchtet, wegen seiner Gesundheit nicht mehr alle Pflichten erfüllen zu können.

Tokyo. Der japanische Kaiser Akihito hat in einer TV-Ansprache den Wunsch einer Abdankung signalisiert. Der 82-Jährige sagte am Montag in einer Rede im Fernsehen, er sei sich nicht sicher, ob er mit zunehmendem Alter auch weiterhin seine Aufgabe nach bestem Wissen und Gewissen ausfüllen könne.

„Zum Glück bin ich jetzt gesund. Aber wenn ich bedenke, dass meine körperliche Fitness sich schrittweise verschlechtert, mache ich mir Sorgen, dass es schwieriger für mich werden könnte, meine Pflichten als Symbolfigur des Staates zu erfüllen“, sagte der Monarch.

Eine Abdankung kündigte Akihito mit diesen Worten zwar nicht explizit an. Er deutete aber an, dass es in den kommenden Jahren so weit sein könnte. Politische Beobachter mutmaßten, dass er mit seinen Worten die japanische Bevölkerung schon einmal auf eine solche Möglichkeit einstellen und vor allem seine Gründe dafür darlegen wollte. In der japanischen Verfassung ist ein solcher Schritt eigentlich nicht vorgesehen. Japanischen Medienberichten zufolge könnte die Regierung ein Sondergesetz erlassen, um eine einmalige Abdankung möglich zu machen. Akihitos Nachfolger wäre sein Sohn, Kronprinz Naruhito.

Ministerpräsident Shinzo Abe sagte, er nehme die Worte des Kaisers sehr ernst. „Ich denke, wir müssen genau überlegen, was wir tun können, um seinen Bedenken Rechnung zu tragen, und dabei das Alter des Kaisers und die derzeitige Last der offiziellen Pflichten berücksichtigen.“

Schon länger Gerüchte

Bereits vor mehreren Wochen war durchgesickert, dass der greise Kaiser amtsmüde sein könnte und eine Abdankung erwäge, was der Kaiserhof aber dementierte. Es war erst die zweite Fernsehansprache Akihitos. In seiner ersten rief er im März 2011 zur Zusammenarbeit für die Opfer des Erdbebens und Tsunamis auf.