Ein Dorf in Alaska flieht vor dem Klimawandel

Welt / 18.08.2016 • 22:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Dieses Haus ist wegen der Erosion an den Küsten von Shsihmaref bereits eingestürzt. Foto: AP
Dieses Haus ist wegen der Erosion an den Küsten von Shsihmaref bereits eingestürzt. Foto: AP

600 Bewohner einer Inuit-Siedlung in Alaska räumen ihre Insel und ziehen aufs Festland.

Shishmaref. Im US-Bundesstaat Alaska hat ein 600-Seelen-Dorf per Volksentscheid einen Komplettumzug von einer Insel aufs Festland beschlossen. Die Bevölkerung wolle damit den Folgen des Klimawandels entkommen, meldete das Umwelt-Magazin „Grist“ am Mittwoch unter Berufung auf die Gemeindeverwaltung. Die Insel, auf der sich das rund 19 Quadratkilometer umfassende Inuit-Dorf Shishmaref derzeit befindet, ist bereits schwer vom steigenden Meeresspiegel gezeichnet. Ein Großteil der Strände ist schon vom Ozean verschluckt, neues Bauland für die wachsende Bevölkerung kann nicht mehr gewonnen werden.

Erste Häuser zerstört

„Nichts zu tun ist keine Option“, sagt Bürgermeister Howard Weyiouanna. Schon zwei Häuser sind der Erosion zum Opfer gefallen, und sie frisst sich weiter vorwärts, auf weitere Gebäude zu. Es ist ein Problem, das auch anderen Ortschaften an der Küste zunehmend zu schaffen macht, und das dem Klimawandel zugeschrieben wird, der das Auftreten von Stürmen in der Region beeinflusst hat.

Shishmaref wird von Inupiat-Eskimos bewohnt und liegt auf einer schmalen Insel ganz nahe an der Bering-Straße, knapp 1000 Kilometer von Anchorage entfernt. Es zählt zu den am stärksten ausgewaschenen Ortschaften Alaskas. Das Dorf hatte sich bereits in einer Abstimmung im Jahr 2002 für einen Umzug entschieden. Dies war dann jedoch an mangelnder staatlicher Förderung gescheitert. Nach früheren Schätzungen könnte eine Umsiedlung mit komplett neuer Infrastruktur umgerechnet bis zu 200 Millionen Euro kosten.

Etwa die Hälfte dieser Summe würde wahrscheinlich reichen, um die Einwohner in die Küstenstädte Kotzebue oder Nome einzugliedern. Aber sich einer anderen Gemeinde anzuschließen, ist für viele im Dorf nicht akzeptabel. Es würde, so sagen sie, einen kulturellen Tod bedeuten.