Italien ermittelt wegen möglicher Bauverstöße

Welt / 28.08.2016 • 22:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Retten, was noch zu retten ist. Feuerwehrmänner räumen die zerstörten Gebäude aus, ehe sie abgerissen werden.  Foto: ap
Retten, was noch zu retten ist. Feuerwehrmänner räumen die zerstörten Gebäude aus, ehe sie abgerissen werden. Foto: ap

Pfusch am Bau? Behörden untersuchen nach Erdbeben nun Gebäudesicherheit.

ascoli piceno. Nach dem verheerenden Erdbeben in Mittelitalien untersuchen die Behörden nun, ob Pfusch am Bau für die hohe Zahl an Toten mitverantwortlich sein könnte. Die Tragödie könne nicht nur als Werk des Schicksals betrachtet werden, sagte Giuseppe Saieva, Staatsanwalt in Rieti, am Sonntag. Es solle festgestellt werden, ob jemand strafrechtlich verantwortlich zu machen sei, weil die Standards für Gebäudesicherheit in der erdbebengefährdeten Region nicht eingehalten worden seien. Bei einigen der zerstörten Häuser sei „mit mehr Sand als Zement“ gebaut worden, berichtete die Zeitung „La Repubblica. Die Untersuchung soll sich auf einige Gebäude konzentrieren. Darunter ist eine Grundschule in Amatrice. Die Schule war 2012 für 700.000 Euro renoviert worden, um Erdbeben standzuhalten.

Derweilen hat gestern ein erneutes Nachbeben die Katastrophenregion in Italien erschüttert. Der Erdstoß der Stärke 3,7 brachte Gebäude in dem sowieso schon zerstörten Amatrice weiter zum Einsturz.

Am Samstag hatte Italien mit einem bewegenden Staatsakt Abschied von einigen Opfern genommen. Viele Opfer müssen noch identifiziert werden. Am Dienstag soll in Amatrice ein Gedenkgottesdienst stattfinden – ohne die Leichen der Opfer.

Welle der Solidarität

Das Erdbeben in Mittelitalien hat eine Welle der Solidarität ausgelöst. Mehr als sechs Millionen Euro wurden in Italien bereits als Spenden per SMS gesammelt. Die Einnahmen, die auf den Verkauf von Eintrittskarten italienischer Museen am Sonntag zurückzuführen sind, werden für den Wiederaufbau im Erdbebenraum gespendet. Auch Queen Elizabeth habe für die Erdbebenopfer gespendet. Durch Amatrice rollten gestern Bagger und anderes schweres Gerät, um gefährlich überhängende Vorsprünge und Trümmer zu beseitigen. Seit Mittwoch wurde in den Trümmern kein Opfer mehr lebend geborgen.