Wissenschaftler übten das Leben auf dem Mars

Welt / 29.08.2016 • 22:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Physikerin Christiane Heinicke bei einem der täglichen Außeneinsätze. Raumanzug war stets Pflicht. Foto: HI-SEAS
Physikerin Christiane Heinicke bei einem der täglichen Außeneinsätze. Raumanzug war stets Pflicht. Foto: HI-SEAS

Simulierte Mars-Station auf Hawaii soll der Raumfahrt Erkenntnisse liefern.

HonoluLU. 365 Tage hat eine internationale Forschergruppe am Hang eines Vulkans auf Hawaii verbracht – und dort ein Leben wie auf dem Mars simuliert. Nun ist das entbehrungsreiche Experiment am Hang des Mauna Loa zu Ende. Die drei Frauen und Männer traten am Sonntag aus ihrem kleinen Domizil in 2500 Metern Höhe in die karge Lavalandschaft – diesmal ohne Raumanzüge, die sie 365 Tage lang jedes Mal hatten tragen müssen, wenn sie ins Freie gingen.

Das internationale Team wurde von seinen Kollegen willkommen geheißen. Bei dem Projekt der Universität Hawaii und der Nasa hatte die kleine Gruppe von Forschern getestet, wie man unter widrigen Bedingungen für lange Zeit auf engem Raum zusammenleben kann. Das Experiment war Teil einer psychosozialen Studie.

Sollten Pläne verschiedener Raumfahrtnationen für einen Besuch auf dem Mars eines Tages Wirklichkeit werden, könnte allein die Reise zum Roten Planeten bis zu einem Jahr dauern. Die deutsche Geophysikerin Christiane Heinicke schilderte das Experiment als sehr wirklichkeitsgetreu. Trink- und Kochwasser waren streng rationiert. Die einzige Kontaktmöglichkeit mit der Außenwelt waren
E-Mails, die in jede Richtung 20 Minuten verzögert wurden. Es gab weder Telefon noch Fernsehen. Jeden Tag gab es Außeneinsätze. Am meisten habe sie die Möglichkeit vermisst, eine längere Strecke frei geradeaus laufen zu können, sagte Heinicke dem „National Geographic“. Das kuppelförmige Domizil der Gruppe maß nur zwölf Meter im Durchmesser.

Jeder Wissenschaftler hatte in der Vulkan-Isolation auch spezielle Forschungsaufgaben. Heinicke etwa war für die Wassergewinnung aus Lavagestein zuständig. Es habe sich gezeigt, dass es möglich sei: „Man kann wirklich Wasser aus dem Boden bekommen, der trocken zu sein scheint“, berichtete die 30-Jährige am Sonntag. „Es würde auf dem Mars funktionieren.“