Schweizer Kampfflieger in den Alpen zerschellt

30.08.2016 • 20:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Absturzort liegt auf 2400 Metern Höhe, vom Piloten fehlt jede Spur.

Bern. Suchmannschaften haben die Absturzstelle eines seit Montag vermissten Kampfflugzeugs der Schweizer Luftwaffe in den Alpen entdeckt. Das teilte das Verteidigungsministerium in Bern am Dienstag mit. Nach dem Piloten der Maschine vom Typ F/A-18 werde weiterhin intensiv gesucht, erklärte Armeesprecher Daniel Reist. Die Absturzstelle sei am Dienstag im Gebiet um den Sustenpass, zwischen den Kantonen Uri und Bern, von einem Hubschrauber der Luftwaffe aus gesichtet worden. Zur Ursache des Absturzes gab es zunächst keine Informationen. Auf dem Landweg ist die Absturzstelle den Armeeangaben zufolge wegen widriger Witterungsverhältnisse nicht erreichbar.

Am Nachmittag informierte die Streitkräfteführung über die Sachlage. Demnach seien beim Überflug eine geschwärzte Fläche von der Länge eines Lastwagens sowie kleine Trümmerteile entdeckt worden. Konkrete Fragen zum Absturz wurden jedoch nicht beantwortet, sie seien Gegenstand militär­juristischer Abklärungen. 

Kontakt abgebrochen

Der Funkkontakt zum Piloten der einsitzigen Maschine war am Montagnachmittag wenige Minuten nach dem Start vom Militärflugplatz in Meiringen abgerissen. Schon am Montag hatte es geheißen, man gehe davon aus, dass das Flugzeug mit großer Wahrscheinlichkeit abgestürzt sei. Drei Helikopter der Armee und ein Polizeihubschrauber waren im Einsatz. Zudem waren Patrouillen unterwegs, um die Maschine ausfindig zu machen. Laut Ministerium waren Gebirgsspezialisten der Armee im Einsatz. In der Nacht hatte die Suche wegen des Wetters teilweise eingestellt werden müssen.

Zum Schutz der Rettungskräfte sei über dem Suchgebiet eine Flugverbotszone eingerichtet worden. Das Suchgebiet befindet sich im Hochgebirge in der Nähe des Sustenpasses. Dort war das letzte Signal des vermissten Flugzeuges empfangen worden.

Sender zerstört?

Das Flugzeug, der Schleudersitz des Piloten und dieser selbst sind mit Sendern ausgestattet. Es müsse davon ausgegangen werden, dass alle diese Signalgeber derart zerstört seien, dass sie verstummt seien, sagte Reist. Wären die Sender noch intakt, würden sie am Tag nach dem Verschwinden noch Signale geben können.

Schon viele Abstürze

Es ist bereits das vierte Kampfflugzeug vom Typ F/A-18 der Schweizer Streitkräfte, das seit 1998 abgestürzt ist (siehe Info-Kasten). Erst im vergangenen Oktober war eine F/A-18 im gemeinsamen Trainingsgebiet mit Frankreich südöstlich von Besancon abgestürzt. Der Pilot wurde dabei verletzt. Von 34 Maschinen dieses Typs sank die Zahl auf 30. Wie Luftwaffenkommandant Aldo C. Schellenberg gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung angab, sei der Luftpolizeidienst auch mit den verbliebenen Flugzeugen sichergestellt, die Durchhaltefähigkeit für längere Einsätze jedoch eingeschränkt.

Chronologie

12. November 1997: Pilatus-Porter PC-6 stürzt bei schlechtem Wetter ab. 5 Tote.

7. April 1998: F/A-18 stürzt wegen Pilotenfehler ab. 2 Tote.

12. November 2002: PC-7 kollidiert mit Seil von Luftseilbahn. 2 Tote.

23. Oktober 2013: F/A-18 stürzt am Lopper wegen Pilotenfehler ab. 2 Tote.

14. Oktober 2015: F/A-18 stürzt in Frankreich ab. Pilot überlebt verletzt.

9. Juni 2016: F5-Tigerjet der Patrouille Suisse stürzt bei Flugshow in den Niederlanden ab. Der Pilot kann sich mit dem Schleudersitz retten.

29. August 2016: F/A-18 stürzt kurz nach dem Start im Susten-Gebiet ab. Der Jet wurde am 30. August entdeckt.