Der Medizin-Nobelpreis 2016 für Zellforschung

Welt / 03.10.2016 • 22:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Seit 27 Jahren arbeite ich an dem Thema, aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich das alles verstanden habe“, sagte der 71-Jährige. Foto: AFP
„Seit 27 Jahren arbeite ich an dem Thema, aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich das alles verstanden habe“, sagte der 71-Jährige. Foto: AFP

Der Medizin-Nobelpreis geht an 71-jährigen japanischen Zellforscher Yoshinori Ohsumi.

Stockholm. Der japanische Wissenschafter hat den Mechanismus der Autophagie („Selbstverdauung“) in Zellen aufgeklärt, hieß es in der Begründung. Sie ist ein grundlegender Prozess des Zellstoffwechsels zur Abfallbeseitigung und zum Recycling. Die Auszeichnung ist mit acht Millionen Schwedischen Kronen (831.000 Euro) dotiert. „Yoshinori Ohsumi benutzte die Bäckerhefe, um die Gene für diese Autophagie zu identifizieren. Er ging dann weiter, indem er die der ‚Selbstverdauung‘ zugrunde liegenden Mechanismen in der Hefe aufklärte und zeigte, dass eine ähnliche Maschinerie dafür auch in unseren Zellen benutzt wird“, hieß es am Montag in der Begründung für die Zuerkennung des Nobelpreises für Physiologie und Medizin.

Bereits Mitte der 1950er-Jahre hatten Wissenschafter beobachtet, dass bestimmte Zellkompartments mit dem Abbau von Proteinen beschäftigt sind. Lange blieb ungeklärt, wie das mit großen komplexen Proteinen und mit ganzen Zell-Organen (Organellen) erfolgt. Yoshinori Ohsumi benutzte für seine Arbeiten Hefezellen. Er entdeckte, wie diese Proteinkomplexe und Organellen von einer Membran umgeben werden und schließlich mit Abbau-Enzym-gefüllten Lyosomen verschmelzen. Dort werden sie schließlich beseitigt. „Autophagie ist an einer Vielzahl von physiologischen Prozessen beteiligt, zum Beispiel an der Zelldifferenzierung und Embryogenese, an Prozessen, welche den Abbau großer Bestandteile des Zell­inneren notwendig machen.

Das schnelle Herbeiführen der Autophagie stellt einen Schutzmechanismus für verschiedene Stressfaktoren dar und ist auch eine Abwehr bei einer Verletzung der Zelle oder von altersbedingten Krankheiten“, so das Karolinska Instituts zum diesjährigen Medizinnobelpreis. „Yoshinori Ohsumi weiß alles. Er kennt alle Geschichten. Er ist zentrale Figur dieses Forschungsgebietes“, sagte Fumiyo Ikeda vom Wiener Institut für Molekulare Biotechnologie.