Lawine verschüttet Hotel in Erdbebenregion

Welt / 19.01.2017 • 22:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Schneemassen haben sich ihren Weg ins Innere des Hotels gebahnt. Foto: AFP
Die Schneemassen haben sich ihren Weg ins Innere des Hotels gebahnt. Foto: AFP

Bebenserie in Mittel­italien hat eine Lawine am Gran-Sasso-Massiv ausgelöst und Dutzende Gäste begraben.

Rom, Farinolda. Durch eine riesige Lawine ist am Mittwochnachmittag in Farindola an einem Hang des Gran-Sasso-Massivs in der mittelitalienischen Bergregion Abruzzen ein vierstöckiges Hotel bis zum Dach verschüttet und bis zu 30 Menschen getötet worden. Die Aussicht, Überlebende zu finden, galt am Donnerstag als gering. Erste Leichen wurden am Donnerstagnachmittag geborgen. Im Inneren des Gebäudes vermuteten die Einsatzkräfte 30 Menschen.

Kinder unter den Verschütteten

Unter den Verschütteten sollen auch vier Kinder sein. Die Lawine war am Mittwoch abgegangen, nachdem eine schwere Erdbebenserie die meterhoch eingeschneite Region erschüttert hatte. Bilder einer Videokamera zeigten, wie die Lawine das Vier-Sterne-Hotel Rigopiano mit 45 Zimmern in seinen Grundfesten erschütterte. Die Rettung wurde durch Schneemassen erschwert. Die ersten Helfer kamen nur auf Skiern zu dem Hotel. Nach Medienberichten soll das Hotel durch die Wucht der Lawine um zehn Meter verschoben worden sein.

Vier Beben, die alle eine Stärke über 5 hatten, hatten am Mittwoch das Gebiet erschüttert, das bereits im August und Oktober von Beben heimgesucht worden war. Erdbeben und seit Jahrzehnten nicht dagewesene Schneefälle hätten eine beispiellose „Kneifzange“ gebildet, sagte Ministerpräsident Paolo Gentiloni am Donnerstag in Rieti. In den nächsten Tagen soll es in der Erdbebenregion wieder schneien.

Auch Ausländer unter Opfern

Auch Ausländer waren unter den Opfern. Unter den Touristen, die sich wohl noch im zugeschütteten Hotel befanden, sollten auch drei Rumänen sein, eine Mutter mit ihren zwei Kindern, teilte das Außenministerium in Bukarest am Donnerstag mit. Ob sie überlebt haben, sei unbekannt.

Die Einsatzkräfte verschafften sich am Donnerstag Zutritt zum Hotel und suchen mit Spezialhunden, Geophonen und Kameras nach den Vermissten. Der Feuerwehr zufolge hatten sich viele Menschen in der Bar aufgehalten, als die Lawine am Mittwoch über das Hotel hineingebrochen war. Aus dem Gebäude soll es dann am Abend einen Hilferuf per SMS gegeben haben, wie Medien berichteten. „Hilfe, Hilfe, wir sterben vor Kälte“, zitierten Ansa und die Zeitung „La Repubblica“ die Textnachricht.

„Wir rufen, aber niemand antwortet“, berichteten Helfer. Die dramatische Szenerie, die sich den Helfern zeige, sei ein „tragisches Gemisch aus Erdbeben und Lawine“. Die Lawine sei „immens“. Einige der Rettungskräfte steckten im Schnee fest. Auch Krankenwagen kamen zeitweise wenige Kilometer von dem Hotel entfernt nicht weiter.

Weil sie sich im Freien aufgehalten haben, haben mindestens zwei Menschen aus dem Hotel überlebt. Ein 38-Jähriger sei unversehrt, weil er zum Auto gegangen sei, um etwas zu holen. Der Mann habe die Einsatzkräfte alarmiert. Ein Freund des 38-Jährigen sagte Medienberichten zufolge, dass die Gäste nach den Beben am Mittwoch abreisen wollten. Die Menschen hätten die Koffer schon gepackt und auf einen Schneepflug gewartet, dessen Ankunft sich allerdings verzögerte.

Die Schneemassen haben sich ihren Weg ins Innere des Hotels gebahnt. Foto: AFP
Die Schneemassen haben sich ihren Weg ins Innere des Hotels gebahnt. Foto: AFP