Rotes Meer soll Totes Meer wieder auffüllen

Welt / 31.01.2017 • 22:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Salzkrusten bilden sich an der Küste des Toten Meeres, das immer weiter zurückweicht. Foto: AP
Salzkrusten bilden sich an der Küste des Toten Meeres, das immer weiter zurückweicht. Foto: AP

Israel und Jordanien planen „Friedens­kanal“ zwischen den beiden Gewässern.

Tel Aviv. Der Bau einer gut 180 Kilometer langen Verbindung zwischen dem Roten Meer und dem Toten Meer soll im kommenden Jahr beginnen. Ein Sprecher des israelischen Ministeriums für regionale Zusammenarbeit sagte am Montag, 2018 starte die erste Phase des Projekts, das mehr Trinkwasser für Jordanien, Israel und die Palästinenser liefern soll. Zudem soll der so genannte „Friedenskanal“ den seit Jahren rapide sinkenden Pegel des Toten Meeres heben.

Das Projekt, auf das sich Israel, Jordanien und die Palästinenser 2013 geeinigt hatten, sieht vor, Wasser aus dem Roten Meer zunächst in eine Entsalzungsanlage bei der jordanischen Küstenstadt Akaba zu pumpen. Das gewonnene Trinkwasser wird nach Jordanien und Israel geleitet, die Salzlauge dagegen ins Tote Meer.

In einer ersten Bauphase soll in der jordanischen Küstenstadt Akkaba eine riesige Entsalzungsanlage entstehen, die jährlich 80 bis 100 Millionen Kubikmeter Trinkwasser produziert. Rund 50 davon erhält Israel, der Rest kommt Jordanien zugute. Im Gegenzug liefert Israel im Norden des Jordantals Wasser an den arabischen Nachbarstaat. Auch die Palästinenser sollen im Rahmen des Projekts ihren Anteil erhalten.

Die bei der Entsalzung des Meerwassers übrig gebliebene Salzlake soll durch Pipelines ins Tote Meer gepumpt werden, damit dessen Pegel wieder steigt. Das Binnenmeer ist vom Austrocknen bedroht, sein Wasserpegel sinkt jährlich um rund einen Meter. Das liegt vor allem daran, dass der Großteil des Wasser seines Hauptzuflusses, des Jordans, zur Trinkwassergewinnung abgepumpt wird.

Bis zum Jahr 2060 soll der neue Kanal 850 Millionen Kubikmeter Trinkwasser im Jahr produzieren. Die Weltbank hat die Kosten auf zehn Milliarden US-Dollar geschätzt. Umweltschützer warnen indes vor gefährlichen Folgen des Projekts. Es könnte das sensible Ökosystem im Toten Meer aus dem Gleichgewicht bringen.