20 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht

22.03.2017 • 21:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Vereinten Nationen bräuchten bis Ende März vier Milliarden Euro, um die schlimmste Not zu lindern.  Foto: AP
Die Vereinten Nationen bräuchten bis Ende März vier Milliarden Euro, um die schlimmste Not zu lindern.  Foto: AP

Trotz Spendenappell der UN verschärfen sich die Hungerkrisen in Afrika und Jemen.

Genf. Frauen mit hohlen Wangen, wimmernde Kinder, bei denen jede einzelne Rippe zu sehen ist: Die Hungerkrise in Afrika wird immer schlimmer. Jetzt hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Alarm geschlagen: „Wir haben es mit einer massiven Krise zu tun“, sagte Einsatzleiter Dominik Stillhart am Mittwoch in Genf. Es geht um den Südsudan, Somalia, Nigeria und den Jemen.

Die Hilfe müsse deutlich ausgeweitet werden. Das IKRK hatte Geber um 400 Millionen Dollar (370,30 Mill. Euro) gebeten, bekam aber bisher nur ein Viertel. Der Aufruf der Vereinten Nationen für die Nothilfe, bis Ende März 4,4 Milliarden Dollar (4,07 Mrd. Euro) aufzubringen, wurde bis dato nur zu zehn Prozent erfüllt. „20 Millionen Menschen sind in Gefahr zu verhungern. Das sprengt klar den Rahmen dessen, was wir normalerweise sehen“, sagte Stillhart.

Aus dem Südsudan flüchten Hunderttausende vor der Gewalt des bewaffneten Konflikts. „Wir können den Konflikt nicht stoppen, aber wir können das Leiden der Menschen lindern“, sagte IKRK-Direktorin für Afrika, Patricia Danzi. Aus Somalia zeigte das IKRK Videos von Menschen in einem Verpflegungszentrum am Ende ihrer Kräfte. „Wohin sollen wir gehen?“, fragte ein Mann verzweifelt. Dort und in Nigeria verschärft eine Dürre die Lage der von Kämpfen Vertriebenen.

Auch im Jemen sind neue Gewalt und der Aufstand von Rebellen vor zwei Jahren Auslöser der Katastrophe. „Es ist wie ein Gefängnis“, sagte ein Bewohner von Taes. Die Stadt sei belagert, die 400.000 Menschen kämen nicht hinaus, berichtete Nahostdirektor Robert Mardini. Es gebe nur 14 Brunnen in der Stadt. Abfallberge seien eine tödliche Gefahr. Niemand zahle mehr Gehälter, die Menschen hätten nichts. Viele wühlten in Abfällen verzweifelt nach Essen. „Die Hungersnöte sind in erster Linie eine Folge der langen Konflikte“, sagte Stillhart. Neben der akut nötigen Lebensmittelhilfe müssten die Anstrengungen verstärkt werden, die Konflikte zu lösen.