„Unser Sohn war beim Absturz nicht depressiv“

Welt / 24.03.2017 • 22:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Vater des Copiloten hat den Jahrestag des Germanwings-Unglücks genutzt, um sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Foto: Reuters
Der Vater des Copiloten hat den Jahrestag des Germanwings-Unglücks genutzt, um sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Foto: Reuters

Germanwings-Absturz: Vater bezweifelt Alleinschuld von Andreas Lubitz.

Berlin. Am zweiten Jahrestag der Germanwings-Katastrophe hat der Vater des Todespiloten Andreas Lubitz mit Hilfe eines Gutachters das einhellige Ergebnis der Ermittlungsbehörden scharf kritisiert. Es sei nicht zweifelsfrei erwiesen, dass der Copilot allein verantwortlich für den Absturz mit 150 Toten sei. „Wir sind auf der Suche nach der Wahrheit“, sagte der Vater des Copiloten, Günter Lubitz, am Freitag bei einer Pressekonferenz in Berlin. „Unser Sohn war zum Zeitpunkt des Absturzes nicht depressiv“, betonte er. Dies hatten die Ermittler in ihrem Abschlussbericht zum Unglück auch nicht behauptet. Allerdings gingen sie von psychischen Problemen des 27-Jährigen aus.

Flugunfallexperte Tim van Beveren hatte sich im Auftrag der Familie Lubitz mit dem Fall befasst. Er zählte am Freitag eine Reihe von Details auf, mit denen er Vorgehen und Rückschlüsse der offiziellen Ermittler infrage zog. Es sei nicht klar erwiesen, wer zum Zeitpunkt des Absturzes im Cockpit gesessen habe. Möglicherweise habe es am Jet Probleme mit der Cockpit-Verriegelung gegeben. Man wisse nicht, was sich abgespielt hat. „Wir haben alle Vermutungen. Aber Vermutungen sind keine Beweise.“

Angehörige der 149 anderen Menschen an Bord hatten vor der Erklärung den Zeitpunkt als „geschmacklos“ kritisiert. Schulleiter Ulrich Wessel aus Haltern, wo am Freitag eine Gedenkfeier für Opfer stattfand, nannte dies eine „Provokation, einen Affront gegenüber den Eltern“.

Dem Abschlussbericht der Behörden zufolge brachte der Copilot am 24. März 2015 den Airbus A320 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich in Südfrankreich zum Absturz. Alle 150 Menschen an Bord starben. Zuvor hatte er demnach den Flugkapitän aus dem Cockpit ausgesperrt. Die Bundesregierung hält an diesen Erkenntnissen nach den Anwürfen der Familie Lubitz weiterhin fest: „Es gibt für uns keinen Anlass, an der Art und den Ergebnissen der Unfalluntersuchungsbehörde zu zweifeln“, teilte das Verkehrsministerium am Freitag mit.