Bodensee-Höhlenfisch überrascht Forscher

03.04.2017 • 20:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Höhlenfisch wurde in einer sehr schwer zugänglichen Höhle entdeckt. Er ist wohl mit der Bachschmerle verwandt. Foto: DPA
Der Höhlenfisch wurde in einer sehr schwer zugänglichen Höhle entdeckt. Er ist wohl mit der Bachschmerle verwandt. Foto: DPA

Erster Höhlenfisch Europas in Höhlensystem im Bodenseeraum entdeckt.

Konstanz. Wissenschafter haben im Bodenseeraum den ersten Höhlenfisch Europas entdeckt. „Wir nehmen an, dass in dem 250 Quadratkilometer großen Versickerungsbereich der Donau, der in der Aachquelle nördlich des Bodensees mündet, eine große Population lebt“, sagte Jasminca Behrmann-Godel, Limnologin an der Universität Konstanz. Die Forscherin hat das Tier mit einem Team aus Höhlentauchern und Kollegen der Universität Oldenburg sowie des Leibniz-Instituts Berlin entdeckt.

Der Fisch – eine Schmerle – sei nicht nur der erste europäische Höhlenfisch, sondern auch der bisher nördlichste der Welt, sagte Behrmann-Godel. „Es wurde spekuliert, dass nördlicher gar keine Höhlenfische mehr vorkommen können, da dort während der letzten Eiszeit alles vereist war. Das haben wir im Prinzip mit dem Fund widerlegt.“

Erste genetische Analysen der Wissenschafter lassen darauf schließen, dass die Fische vermutlich nach dem Ende der Würmeiszeit aus der Donau in das Höhlensystem am Bodensee einwanderten. Erstmals gesichtet wurde die Art 2015 von einem Taucher in dem schwer zugänglichen Höhlensystem im Bodenseeraum im Süden Baden-Württembergs. Bis zur Fundstelle brauchen Profis etwa eine Stunde, sie müssen gegen die Strömung in den gefluteten Höhlen schwimmen.

Behrmann-Godel vermutet, dass einige Donau-Bachschmerlen mit Versickerungswasser eingeschwemmt wurden und sich in den Höhlen niedergelassen haben. In den vergangenen 20.000 Jahren – evolutionsbiologisch ein kurzer Zeitraum – haben sich die Fische an das Leben in dunklen Höhlen angepasst. Die Tiere hätten etwa kleine Augen, sagte Jörg Freyhof vom IGB. Dafür seien die Nasenlöcher größer und die Barteln – Fortsätze am Maul – verlängert, damit die Fische besser riechen und schmecken können. Zudem wurden die Pigmentzellen reduziert. „Die Fische sparen im Prinzip alles ein, was möglich ist“, meinte Freyhof.