Schließung von AKW Fessenheim besiegelt

09.04.2017 • 20:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Fessenheim ging 1977 ans Netz. In dem Atomkraftwerk gibt es immer wieder Pannen und Zwischenfälle. Foto: AFP
Fessenheim ging 1977 ans Netz. In dem Atomkraftwerk gibt es immer wieder Pannen und Zwischenfälle. Foto: AFP

Der Atommeiler nahe der deutschen Grenze dürfte aber frühestens 2019 vom Netz gehen.

Paris. Frankreich hat die Schließung des umstrittenen Atomkraftwerks Fessenheim an der Grenze zu Baden-Württemberg besiegelt. Die Regierung veröffentlichte am Sonntag im Amtsblatt ein entsprechendes Dekret, wie Energie- und Umweltministerin Ségolène Royal via Twitter mitteilte. Die Sozialistin hatte den Schritt bereits vor einigen Tagen angekündigt und die Abschaltung für 2018 versprochen. Laut der Nachrichtenagentur AFP dürfte sie aber frühestens 2019 erfolgen.

Fessenheim ist das älteste französische Atomkraftwerk, das noch in Betrieb ist. Es ging 1977 ans Netz. Aus Sicht von Umweltschützern ist die Anlage veraltet, es bestehe die Gefahr einer Panne. Auch die deutsche Bundesregierung fordert schon länger die Abschaltung. Ein Reaktor ist bereits seit vergangenem Jahr vom Netz, weil Materialfehler an einem Dampferzeuger überprüft werden. Die deutschen Grünen bezeichnen das Kraftwerk als „Schrottreaktor“. Frankreich setzt seit Jahrzehnten auf die Nuklearenergie. Drei Viertel des Strombedarfs kommen aus Atommeilern.

Der Betreiber EDF hatte der Schließung in der zurückliegenden Woche nur unter Bedingungen zugestimmt: So soll Fessenheim erst dann geschlossen werden, wenn der Europäische Druckwasserreaktor (EPR) in Flamanville am Ärmelkanal ans Netz geht – er soll Ende 2018 fertig sein. Das Dekret nimmt diese Bedingung auf. Es bindet die Aufhebung der Betriebserlaubnis für Fessenheim an den EPR-Starttermin. Das Projekt sorgte allerdings bisher mit Verzögerungen und Kostensteigerungen für Schlagzeilen. So prüfte die Atomaufsicht Materialprobleme am Reaktorbehälter. Solange sie keine Zustimmung gibt, kann es nicht losgehen. Eine Entscheidung wird in den kommenden Monaten erwartet. In dem AKW, das 30 Kilometer südwestlich der süddeutschen Stadt Freiburg liegt, gibt es immer wieder Pannen und Zwischenfälle. Kritiker verweisen zudem auf das Erdbebenrisiko in der Region.