Lernen aus Tschernobyl: Atomkraft abdrehen

25.04.2017 • 20:49 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Hier, am vierten Reaktorblock des Atomkraftwerks Tschernobyl, ereignete sich 1986 die schlimmste Atomkatastrophe der Geschichte. Foto: APA
Hier, am vierten Reaktorblock des Atomkraftwerks Tschernobyl, ereignete sich 1986 die schlimmste Atomkatastrophe der Geschichte. Foto: APA

Zum Jahrestag des Super-GAUS wird ein Umdenken bei der Stromerzeugung gefordert.

Wien. Vor genau 31 Jahren explodierte Reaktor 4 im ukrainischen Tschernobyl, knapp 1000 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Durch ungünstige Wind- und Wetterbedingungen wurde Österreich stark mit radioaktiven Stoffen verseucht, so sind 83 Prozent der österreichischen Oberfläche mit radioaktivem Cäsium 137 belastet. Schlimmer noch, 13 Prozent Österreichs wurden äußerst hoch belastet, über 40.000 radioaktive Betastrahlungszerfälle pro Quadratmeter. „Österreich wurde durch den Tschernobyl-Super-GAU flächenmäßig am zweitmeisten verstrahlt, direkt nach Weißrussland,“ erklärt Reinhard Uhrig, Atom-Sprecher von GLOBAL 2000. „Diese und die historisch jüngere Katastrophe im japanischen Fukushima haben zu einem weltweiten Umdenken über die Beherrschbarkeit der Risikotechnologie Atomkraft geführt.“

Nichtsdestotrotz werden auch 31 Jahre nach der Katastophe von Tschernobyl immer neue Atomkraftwerke geplant und gebaut. Knapp die Hälfte aller Atomkraftwerke der Welt steht in der EU. Die Atombranche hat mit den Ausbauplänen des englischen AKW-Projekt Hinkley Point C und des ungarischen AKW-Projekt in Paks Rückenwind bekommen. Seit mehreren Jahren wird auch an neuen Reaktoren im finnischen Olkiluoto, im französischen Flamanville und am slowakischen Mochovce gebaut.

„Ein klares Signal gegen die Ausbaufantasien der Atombranche könnte ein starker Ausbau der erneuerbaren Energien sein. Dieser wäre in Österreich sofort möglich, warten doch 260 fertig genehmigte Windräder auf die Umsetzung“, bemerkt Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft. „Wir fordern die Regierung auf, die vorhandenen EU-rechtlichen Spielräume beim Ökostromgesetz zu nutzen und den Ausbau der erneuerbaren Energien endlich wieder anzukurbeln um die Eigenstromerzeugung in Österreich bis 2030 umzusetzen.“