Südtiroler Impfgegner wollen Asyl in Österreich

Welt / 09.06.2017 • 22:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Nicht geimpfte Kinder werden in Italien künftig nicht in Krippen, Kindergärten oder Volksschulen aufgenommen.  Foto: dpa
Nicht geimpfte Kinder werden in Italien künftig nicht in Krippen, Kindergärten oder Volksschulen aufgenommen.  Foto: dpa

Seit Donnerstag gilt in Italien Impfpflicht für Kinder. Impfgegner protestieren.

Rom. In Italien ist am Donnerstag eine Impfpflicht für Kinder in Kraft getreten. Italiens Präsident Mattarella unterzeichnete diese Woche das Regierungsdekret, mit dem die Impfpflicht ab dem kommenden Schuljahr im September eingeführt wird. Die Impfungen sollen für insgesamt zwölf Krankheiten vorgenommen werden, darunter Masern, Hirnhautentzündung, Tetanus, Kinderlähmung, Mumps, Keuchhusten und Windpocken.

Nicht geimpfte Kinder werden künftig nicht in Krippen, Kindergärten oder Vorschulklassen aufgenommen. Eltern schulpflichtiger Kinder ab sechs Jahren, die nicht geimpft sind, müssen Strafen von bis zu 7500 Euro zahlen. Ihnen droht sogar der Verlust des Fürsorgerechts.

Die Impfpflicht sorgt für heftige Proteste. 130 Südtiroler Familien haben sogar angekündigt, dass sie „Asyl” in Österreich beantragen werden, um ihren Nachwuchs nicht impfen zu müssen. Das berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Die Eltern wandten sich schriftlich an Italiens Staatschef Sergio Mattarella, an seinen österreichischen Amtskollegen Alexander Van der Bellen und an den Menschenrat der Vereinten Nationen in Genf. Sie wollen damit verhindern, dass ihre Kinder geimpft werden müssen, berichtete Reinhold Holzer, Aktivist der Eltern-Initiative „Ökokinderrechte Südtirol“.
„Wir werden unsere Kinder nicht vergiften. Nicht nur diejenigen Menschen beantragen Asyl, die vor einem Krieg flüchten, sondern auch diejenigen, die ihre Rechte verletzt sehen“, sagte Holzer. Südtirol ist die italienische Region mit der höchsten Rate an Impfverweigerungen.

Gegen die Impfpflicht ist am Sonntag in Rom eine Protestkundgebung geplant. Am selben Tag sind Sit-ins in mehreren Städten vorgesehen. Anti-Impf-Verbände riefen zudem zu einer nationalen Protestkundgebung am 8. Juli in der Stadt Pesaro auf. Impfverweigerer beschuldigten die Regierung, im Dienst einflussreicher Pharma-Lobbys zu stehen.