Jeder 113. Mensch auf der Welt war ein Flüchtling

Welt / 19.06.2017 • 22:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Neuer Flüchtlingsrekord: Jede Minute des vergangenen Jahres mussten irgendwo auf der Welt 20 Menschen fliehen. Foto: Reuters
Neuer Flüchtlingsrekord: Jede Minute des vergangenen Jahres mussten irgendwo auf der Welt 20 Menschen fliehen. Foto: Reuters

Heute ist Weltflüchtlingstag. Noch nie waren auf der Welt so viele entwurzelt.

Wien/Berlin. 65,5 Millionen Menschen flohen im vergangenen Jahr vor Krieg, Gewalt und Verfolgung, 300.000 mehr als im Jahr davor. Allein in Syrien mussten zwei Drittel der Einwohner ihre Heimat verlassen, berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Montag. Darunter waren 22,5 Millionen Menschen, die über Grenzen gingen und 40,4 Millionen Vertriebene, die in einem anderen Teil ihrer Heimatländer Unterschlupf fanden.

Jede Minute des Jahres mussten irgendwo auf der Welt 20 Menschen fliehen. Seit 1997 hat sich die Flüchtlingszahl damit praktisch verdoppelt. Die meisten Flüchtlinge (5,5 Millionen) stammen nach wie vor aus Syrien. Die zweitgrößte Gruppe kommt aus Afghanistan (2,5 Millionen). Am rasantesten verschärfte sich die Krise aber im Südsudan. Inzwischen sind schon 17 Prozent der zwölf Millionen Einwohner auf der Flucht. Die selbst bitterarmen Nachbarländer können den Ansturm kaum bewältigen. Vier von fünf Flüchtlingen haben in Ländern Aufnahme gefunden, die selbst teils kaum das Nötigste haben. „Dies ist keine Krise der reichen Welt, sondern eine Krise der Entwicklungsländer“, betonte der Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi. Die Türkei beherbergte 2016 weltweit die meisten Flüchtlinge, nämlich 2,9 Millionen. Im Libanon am Mittelmeer war jeder sechste Bewohner Flüchtling. Pakistan beherbergte 1,4 Millionen Geflüchtete, Iran und Uganda je fast eine Million, Äthiopien 800.000 und Jordanien 700.000.

Instabile Lage

Dass die Gesamtzahl der Flüchtenden nur knapp über der des Vorjahres lag, suggeriere fälschlicherweise eine Stagnation der Lage, sagte Grandi. „Das verschleiert nur, wie instabil die Lage in vielen Regionen ist.“ Millionen Menschen seien in ihre Heimatorte zurückgekehrt, ohne dass die Lage wirklich sicherer war. Andere hätten ein neues Zuhause in Drittländern gefunden. Neu wurden 10,3 Millionen Menschen in die Flucht getrieben.