Albanien will Bergdörfer für Touristen öffnen

Welt / 15.08.2017 • 20:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In Nivica sollen alte Gebäude restauriert und zu Gasthöfen umgebaut werden.  Foto: AP
In Nivica sollen alte Gebäude restauriert und zu Gasthöfen umgebaut werden. Foto: AP

Behörde will Touristen in entlegene Dörfer bringen. Der traditionelle Lebensstil soll aber erhalten bleiben.

Nivica. Die kleinen Dörfer liegen fernab von jeglichem Tourismus in den Bergen Südalbaniens, hier scheint die Zeit seit Jahrzehnten stillzustehen. Nur eine Schotterpiste mit vielen Serpentinen windet sich hinauf, die mehr von Ziegen als von Autos genutzt wird. Hier wird die Schafsmilch noch per Esel zum örtlichen Käser geliefert, und die Alten steigen hoch hinauf, um wilden Oregano und andere Kräuter zu pflücken. Auf einem Felsvorsprung hinter einer alten, verfallenen Festung liegt das Dorf Nivica, in das ein ehrgeiziges Projekt nun neues Leben bringen will.

Wenn es nach der albanischen Küstenbehörde geht, sollen Besucher hier die spektakuläre Schönheit der Natur und das ursprüngliche Leben auf dem Land entdecken. „Wir machen ein Pilotprojekt zur Anbindung ländlicher Gemeinden in Küstennähe, die vom Küstentourismus nie etwas abbekommen haben“, sagt Projektleiter Auron Tare. Präsident. Die Region hat viele Attraktionen: Kristallklare Flüsse fließen durch Schluchten, über die sich jahrhundertealte Steinbrücken aus dem Osmanischen Reich schwingen. Zum Sonnenuntergang treiben Schäfer ihre Herden durch die Felder in kleine Koppeln zum Melken. „Hinzu kommen die wunderbare Landschaft und das unverfälschte Leben.“

Die Gegend ist noch weitgehend unberührt vom Tourismus, viele Menschen an der Küste haben nie von Nivica gehört. Bisher habe das Dorf von Landwirtschaft und Viehzucht gelebt. Viele Bewohner waren in die Städte gezogen, das Dorf halb verfallen. Ohne staatliche Müllwirtschaft wurde der Abfall in die Schluchten oder auf die Straßen geworfen: „Als wir 2016 hier ankamen, lag der Müll aus den letzten 30 Jahren auf dem Dorfplatz“, sagt Tare. Inzwischen ist der Dorfplatz sauber, und in der Sommerhitze meißeln Steinmetze an Felsbrocken für ein neues Gästehaus, das im Frühjahr fertig sein soll. Alte Gebäude sollen restauriert und zu Gasthöfen umgebaut werden.