Polizei rätselt über Todesfahrer

24.04.2018 • 20:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Große Trauer nach dem schrecklichen Attentat auf wehrlose Fußgänger in Toronto. Viele Menschen brachten Blumen und Kerzen.  Reuters
Große Trauer nach dem schrecklichen Attentat auf wehrlose Fußgänger in Toronto. Viele Menschen brachten Blumen und Kerzen.  Reuters

Der Todesfahrer von Toronto wird des zehnfaches Mordes angeklagt.

Toronto Sozial unbeholfen, gut im Umgang mit Computern, keine ausgeprägten politischen Ansichten: Die Beschreibungen Alek Minassians zeichnen das Bild eines eher isoliert lebenden IT-Studenten. Nach der Attacke in Toronto mit zehn Toten graben Ermittler in seiner Vergangenheit. In den letzten Momenten vor seiner Festnahme schien der Todesfahrer selbst den Tod zu wollen. „Töte mich!“, rief er dem Polizisten zu, der seine Dienstwaffe auf ihn gerichtet hatte. „Nein, auf den Boden!“, rief der Beamte zurück. „Schieß mir in den Kopf!“, versuchte es der Fahrer noch einmal. Kein Schuss fiel, der Mann gab auf.

Das Video von der Festnahme lässt vermuten, wie verwirrt der Fahrer nach seiner Attacke gewesen sein mag. Mindestens zehn Menschen starben und 15 wurden verletzt, als er den weißen Transporter am Montag minutenlang über Gehsteige einer Einkaufsmeile lenkte und dabei alles an- oder umfuhr, was ihm in den Weg kam.

Den Täter identifizierte die Polizei als Alek Minassian, ein 25-Jähriger, der im Vorort Richmond Hill lebte. Einem Profil beim Online-Netzwerk LinkedIn zufolge besuchte er in der Nähe sieben oder acht Jahre lang ein College, wo er Informatik studierte. Der Umgang mit anderen Menschen habe ihm Probleme bereitet, sagte ein Kommilitone, der 2015 an einem Projekt mit Minassian arbeitete, der „Globe and Mail“. Gespräche und öffentlicher Druck seien ihm sichtlich schwergefallen, seine Körpersprache habe eine geistige Behinderung vermuten lassen. Er sei „einfach ein etwas unbeholfener junger Mann, der gut mit dem Computer umgehen konnte“, schreibt die Zeitung. Minassian wurde am Dienstag des zehnfachen Mordes und des versuchten Mordes in 13 weiteren Fällen angeklagt. In zwei Wochen wird er vor Gericht erwartet.