Papst-Vertrauter wird angeklagt

Welt / 01.05.2018 • 20:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kardinal George Pell plädiert auf nicht schuldig. AP
Kardinal George Pell plädiert auf nicht schuldig. AP

Finanzchef des Vatikans, Kardinal Pell, wird wegen Missbrauchsvorwürfen Prozess gemacht.

Melbourne Der bisherige Finanzchef des Vatikans, Kardinal George Pell, muss sich wegen Missbrauchsvorwürfen einem Prozess stellen. Die australische Justiz entschied am Dienstag in Melbourne nach monatelangen Vorprüfungen, dass gegen den 76-Jährigen vor Gericht ein Hauptverfahren eröffnet wird. Der Kurienkardinal ist damit weltweit der bislang ranghöchste katholische Geistliche, der wegen solcher Vorwürfe angeklagt wird.

Als Finanzchef war der Vertraute von Papst Franziskus bis vergangenes Jahr die inoffizielle Nummer drei des Kirchenstaats. Gegen ihn gibt es seit längerer Zeit Vorwürfe, sich als junger Pfarrer und später auch als Erzbischof in seiner Heimat an Jungen vergangen zu haben. Er wies dies stets zurück, ließ sich aber als Finanzchef beurlauben. Mit der jetzigen Entscheidung ist äußerst unwahrscheinlich, dass Pell jemals auf seinen Posten zurückkehrt.

Zur Bekanntgabe der Entscheidung musste der Kardinal persönlich vor dem Amtsgericht Melbourne erscheinen, der eine Stadt, in der er früher Erzbischof war. Nach Auffassung von Richterin Belinda Wallington gibt es in mehreren Fällen ausreichend Hinweise darauf, damit die Vorwürfe von einer höheren Instanz geprüft werden. Bei anderen Vorwürfen sah das Gericht nicht genügend Substanz, um sie weiterzuverfolgen. Pell selbst äußerte sich vor Gericht dann erstmals auch selbst. Er bezeichnete sich als „nicht schuldig“. Wann genau der Prozess beginnen wird, stand zunächst noch nicht fest. Die australischen Behörden haben sich bislang in der Öffentlichkeit noch nicht näher dazu geäußert, was genau dem Kardinal vorgeworfen wird. Offiziell heißt es nur, es gehe um länger zurückliegende Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs. Die Beschwerden reichen in Pells Zeit als Priester in seiner Heimatgemeinde Ballarat (1976-1980) und als Erzbischof von Melbourne (1996-2001) zurück. Pell wird nach Presseberichten unter anderem zur Last gelegt, sich 1978 in einem Kino an einem Jungen vergangen zu haben. Zudem gibt es Vorwürfe, dass er zwei Jungen in einem Pool sexuell belästigt habe.

Mit der jetzigen Entscheidung dürfte die Kirchenkarriere des 76-Jährigen vorbei sein. Der Prozess – möglicherweise werden es auch mehrere Verfahren – könnte sich sehr in die Länge ziehen. Auf seinen Posten als Finanzchef des Kirchenstaats dürfte er kaum noch zurückkehren können. Berufen worden war er noch vom früheren deutschen Papst Benedikt.

Vatican finance chief Cardinal George Pell (C) leaves after making an appearance in court in Melbourne on May 1, 2018. Pell pleaded not guilty on May 1 after being ordered to stand trial on multiple historical sexual offence charges in Australia. / AFP PHOTO / WILLIAM WEST

Vatican finance chief Cardinal George Pell (C) leaves after making an appearance in court in Melbourne on May 1, 2018. Pell pleaded not guilty on May 1 after being ordered to stand trial on multiple historical sexual offence charges in Australia. / AFP PHOTO / WILLIAM WEST

Vatican finance chief Cardinal George Pell (C) arrives in court with a heavy police presence in Melbourne on May 1, 2018. ll is appearing to hear a crucial decision on whether he will stand trial on historical sexual offence charges. The 76-year-old, the most senior Catholic cleric to face criminal charges linked to the Church's long-running sexual abuse scandal, denies all the claims. / AFP PHOTO / WILLIAM WEST

Vatican finance chief Cardinal George Pell (C) arrives in court with a heavy police presence in Melbourne on May 1, 2018. ll is appearing to hear a crucial decision on whether he will stand trial on historical sexual offence charges. The 76-year-old, the most senior Catholic cleric to face criminal charges linked to the Church’s long-running sexual abuse scandal, denies all the claims. / AFP PHOTO / WILLIAM WEST