Bahn-Fahrdienstleiter festgenommen

08.05.2018 • 20:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Personenzug war mit knapp 20 Menschen an Bord wenige Hundert Meter vom Bahnhof entfernt frontal mit einem stehenden Güterzug kollidiert. AFP
Ein Personenzug war mit knapp 20 Menschen an Bord wenige Hundert Meter vom Bahnhof entfernt frontal mit einem stehenden Güterzug kollidiert. AFP

Bei dem schweren Zugunglück in Bayern mit zwei Toten wird von menschlichem Versagen ausgegangen.

aichach Erneut soll ein Bahn-Fahrdienstleiter ein schweres Zugsunglück mit Toten verursacht haben. Nach einem Unfall mit zwei Todesopfern bei Aichach in Bayern hat die Polizei am Dienstag den 24 Jahre alten Fahrdienstleiter festgenommen. Ersten Ermittlungen zufolge sei der Unfall auf menschliches Versagen zurückzuführen, teilten Staatsanwaltschaft und das Polizeipräsidium in Augsburg mit.

Am Montagabend war gegen 21.15 Uhr eine mit rund 30 Passagieren besetzte Regionalbahn wenige Hundert Meter vor dem Bahnhof im schwäbischen Aichach frontal in die Lok eines stehenden Güterzuges gefahren. Der 37 Jahre alte Zugführer des Personenzuges und eine 73 Jahre alte Passagierin starben. 14 Menschen wurden zudem verletzt, teils schwer. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob gegen den Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn (DB) ein Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts der fahrlässigen Tötung beantragt wird. Der Mann soll dafür verantwortlich sein, dass die beiden Züge auf demselben Gleis unterwegs waren und zusammenstießen. Ein technischer Defekt könne nach ersten Ermittlungen ausgeschlossen werden, sagte Polizeisprecher Markus Trieb. Allerdings könne noch nicht gesagt werden, was der 24-Jährige konkret falsch gemacht hat. „Dafür ist es noch viel zu früh.“

Der Vorfall erinnert an das Zugsunglück im oberbayerischen Bad Aibling vom Februar 2016. Damals waren zwei Züge der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) frontal zusammengestoßen. Zwölf Menschen starben, 89 wurden verletzt. Der Fahrdienstleiter hatte auf seinem Handy gespielt und Signale falsch gestellt. Er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung hatte er zurückgezogen. Ob auch der 24-Jährige abgelenkt war und es deswegen zu dem Unfall in Aichach kam, war zunächst nicht geklärt.

An der Unfallstelle waren in der Nacht rund 170 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Polizei im Einsatz. Mehrere Rettungshubschrauber flogen die Verletzten in Kliniken. Im Landratsamt Aichach-Friedberg koordinierte die Führungsgruppe für den Katastrophenschutz den Einsatz.

Bei der DB arbeiten mehr als 12.000 Fahrdienstleiter, die täglich mehr als 40.000 Züge durch Deutschland steuern. Auf dem 34.000 Kilometer langen Schienennetz werden dafür rund 3000 Stellwerke genutzt, wo die Fahrdienstleiter Signale und Weichen per Hebel, Tasten oder Mausklick kontrollieren. Die Arbeitsbelastung der Fahrdienstleiter gilt als groß.