Kubas Charme ist bedroht

Welt / 17.05.2018 • 20:55 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Der Tourismusboom bringt mit sich, dass die soziale Schere auf der Karibikinsel immer weiter auseinanderklafft. ap
Der Tourismusboom bringt mit sich, dass die soziale Schere auf der Karibikinsel immer weiter auseinanderklafft. ap

Autor Gutiérrez warnt vor dem Ausverkauf der Karibikinsel durch den Touristenboom.

Havanna Vor 20 Jahren setzte Pedro Juan Gutiérrez seiner Heimatstadt Havanna mit seinem Buch „Schmutzige Havanna Trilogie“ein literarisches Denkmal voller Säufer, Schläger und Huren. Er beschreibt eine Stadt am Abgrund. In der sogenannten Sonderperiode Mitte der 90er-Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion fehlte es an allem. Es gab weder Seife noch Wasser, weder Essen noch Arbeit – und Geld schon gar nicht.

Die entbehrungsreiche Sonderperiode ist lange vorbei. Jetzt sieht er den morbiden Charme bedroht: von Kempinski, Armani und Airbnb. Der Tourismus verändert die Insel. 2017 besuchten rund 4,7 Millionen Urlauber Kuba und spülten viel Geld in die leeren Kassen. In Havanna eröffnen Hotels, Bars und Restaurants, renovierte Wohnungen werden über Airbnb an Touristen vermietet.

„Die Stadt könnte zerstört und in einen Themenpark verwandelt werden“, fürchtet Autor Gutiérrez. Tatsächlich nehmen die Folgen des Touristenbooms zum Teil bizarre Formen an. Während der staatliche Durchschnittslohn noch bei knapp 30 Euro pro Monat liegt, kann ein Abendessen in einem Privatrestaurant leicht das Doppelte kosten. Gegenüber vom Kapitol in Havanna hat Kempinski das Gran Hotel Manzana eröffnet. Eine Nacht in dem Fünf-Sterne-Hotel kostet bis zu 2500 US-Dollar. In der Einkaufspassage im Erdgeschoß haben sich Luxusmarken wie Armani, Montblanc und Versace eingemietet.

Für die Kubaner, die für Lebensmittel anstehen oder wochenlang nach einem Sack Zement suchen, um ihre baufälligen Häuser auszubessern, muss die Protzerei wie Hohn wirken. Die soziale Schere öffnet sich weiter zwischen jenen, die Zugang zu Devisen aus dem Touristengeschäft haben, und jenen, die mit dem staatlichen Einheitslohn auskommen müssen.