Rätseln über Absturzursache

11.03.2019 • 21:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Experten begannen am Montag mit der Klärung der Unglücksursache. Die gefundene Blackbox soll Aufschluss geben. AP
Experten begannen am Montag mit der Klärung der Unglücksursache. Die gefundene Blackbox soll Aufschluss geben. AP

Neue Software könnte bei Flugzeugabsturz in Äthiopien eine Rolle gespielt haben.

Addis Adeba, Wien Nach dem Absturz einer Passagiermaschine in Äthiopien mit 157 Todesopfern muss der relativ neue Flugzeugtyp Boeing 737 Max 8 in mehreren Ländern am Boden bleiben. China, Indonesien und Äthiopiens nationale Fluggesellschaft erklärten am Montag ein Startverbot für alle baugleichen Maschinen. Betroffen sind mindestens 110 Flugzeuge. Andere Airlines wie Norwegian und Tuifly erklärten hingegen, die Maschinen blieben zunächst weiter in Betrieb. Deutsche Fluggesellschaften nutzen derzeit keine Boeing 737 Max 8, wie ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Berlin mitteilte.

Aufklärung über die Absturzursache könnte der Flugschreiber bringen. Sowohl der Stimmenrekorder als auch der Datenschreiber seien gefunden worden, teilte Ethiopian Airlines mit. Aus Unternehmenskreisen hieß es allerdings, die Blackbox sei teilweise beschädigt. „Wir werden sehen, was wir herausholen können“, sagte die Gewährsperson.

Neue Software

Der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt vermutet, dass die neue Software der Boeing 737 Max 8 eine wichtige Rolle beim Absturz gespielt habe. In den neuen Boeing-Typ sei eine zusätzliche Software eingebaut, die dafür sorge, dass die Flugzeugnase nicht zu hoch genommen werde, sagte Großbongardt am Montag in der ORF-Sendung Ö1-Mittagsjournal. Diese dürfte sich ähnlich wie bei dem Absturz einer baugleichen Maschine der Lion Air in Indonesien eingeschaltet haben, obwohl der Flieger im Steigflug war, mutmaßte er. Die Piloten hätten das System deaktivieren können, sagte Großbongardt. „Das ist mehr oder weniger ein Knopfdruck.“

Die drei österreichischen Todesopfer waren Männer im Alter von 30 und 31 Jahren. Die drei Ärzte kamen gebürtig aus Niederösterreich, Kärnten und Oberösterreich. Sie wollten von Addis Abeba mit einer Zwischenlandung in Nairobi nach Sansibar fliegen, „um dort medizinisch zu arbeiten“. Ein deutscher Pfarrer, der seit 2010 in der evangelischen Gemeinde in St. Ruprecht bei Villach tätig war, kam ebenfalls bei dem Absturz ums Leben. Der 51-Jährige war im Auftrag des Weltkirchenrates unterwegs zur UNO-Umweltkonferenz in Nairobi, teilte der Evangelische Pressedienst für Österreich mit. Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder. Unter den Opfern waren auch mindestens 21 Mitarbeiter der Vereinten Nationen. Am UN-Sitz in Genf hielten Mitarbeiter eine Schweigeminute für die Opfer. Auch bei einer UN-Umweltkonferenz in Nairobi wurde der Opfer gedacht.

Der Hersteller Boeing sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und kündigte die Entsendung von Experten nach Äthiopien an. Diese sollten bei der Untersuchung der Unglücksursache helfen. Am Montag erklärte Boeing zudem, es gebe nach bisherigem Kenntnisstand keine Grundlage für neue Anweisungen an die Betreiber des Flugzeugtyps. Die Boeing-Aktien gaben am Montag kurz nach Handelsbeginn an der New Yorker Wall Street deutlich nach. Am Nachmittag europäischer Zeit notierten sie bei 373,23 Dollar (rund 332 Euro) – ein Minus von 11,7 Prozent.