Boeing Absturz: Äthiopischer Bericht entlastet Piloten

Welt / 04.04.2019 • 13:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bei dem Absturz der Boeing 737 Max in Äthiopien kamen 157 Menschen ums Leben.

Der Verdacht erhärtet sich, dass Boeings Steuerungssoftware der 737 Max für die Abstürze in Äthiopien und Indonesien verantwortlich ist.

Addis Abeba Die Piloten der im März abgestürzten Boeing 737 Max der Ethiopian Airlines haben sich nach einem vorläufigen Untersuchungsbericht vor dem Unglück an das vom Flugzeugbauer vorgegebene Notfallprotokoll gehalten, aber die Maschine trotzdem nicht unter Kontrolle bringen können. Das teilte die äthiopische Verkehrsministerin Dagmawit Moges am Donnerstag in Addis Abeba mit.

Das Flugzeug war am 10. März abgestürzt, alle 157 Insassen kamen ums Leben. In den Tagen danach wurden weltweit Startverbote für alle Maschinen des gleichen Bautyps verhängt. Im Oktober war in Indonesien ebenfalls eine Boeing 737 Max abgestürzt, auch dabei kamen alle Insassen – 189 – ums Leben.

Es wird vermutet, dass ein automatisches Steuerungssystem in der Boeing 737 Max für beide Unglücke verantwortlich sein könnte, weil die Maschinen ungewöhnlich beschleunigten und dann in steilem Sinkflug abstürzten. Die Steuerungssoftware von Boeing namens MCAS soll eigentlich verhindern, dass die Nase der Boeing 737 Max nach oben gedrückt wird. Doch in manchen Fällen sinkt sie dadurch auch zu weit nach unten ab. In einem solchen Fall ist es nach Angaben des Flugzeugbauers aber möglich, die Kontrolle über die Maschine wiederzuerlangen, wenn die Automatik abgestellt wird.

Wie Daten aus dem Flugschreiber nahelegten, tat die Besatzung der Ethiopian-Airlines-Maschine das auch und folgte somit dem Notfallprotokoll. Möglicherweise weil das nichts nutzte und das Flugzeug weiter sank, stellten die Piloten anschließend das System aber wieder an, wie aus Ermittlerkreisen verlautete. Boeing empfiehlt, nach einer Stabilisierung des Flugzeugs durch Abschaltung der Automatik den Rest des Fluges manuell weiterzufliegen.

Die äthiopischen Ermittler sprachen diese Abweichung von den Boeing-Empfehlungen nicht an. Ministerin Moges sagte aber anschließend der „New York Times“, die Piloten hätten MCAS wiederholt an- und abgeschaltet. Details dazu würde man im Abschlussbericht nennen.

In dem vorläufigen Untersuchungsbericht wird empfohlen, das Steuerungssystem der Boeing zu prüfen, bevor die Maschinen des Typs wieder für Flüge freigegeben werden. Allerdings wird nicht dezidiert erwähnt, ob damit MCAS gemeint ist, oder auch darüber hinausgehende Kontrollsysteme.

Das US-Justiz- und Verkehrsministerium und Kongressausschüsse ermitteln in dem Fall gegen Boeing. Unter Druck ist auch die Luftfahrtbehörde FAA, die die Boeing 737 zugelassen und nach dem Absturz in Indonesien im Herbst nicht mit einem Startverbot belegt hatte. Die FAA teilte mit, die Untersuchung zum Ethiopian-Absturz sei noch am Anfang. Man werde nach weiteren Erkenntnissen die nötigen Konsequenzen ziehen. Ob die FAA die empfohlene Prüfung des Kontrollsystems vornehmen wird, wollte ein Sprecher nicht sagen.

Der US-Flugzeugbauer arbeitet bereits an Änderungen an seiner MCAS-Software, wodurch diese weniger leicht die Nase nach unten drücken und es Piloten erleichtern würde, sie abzuschalten. Die neue Version, die in einigen Wochen verfügbar sein soll, muss dann aber noch von der FAA abgenommen werden. AP