Piloten befolgten Boeing-Notfallprotokoll

Welt / 04.04.2019 • 22:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bei dem Flugzeugabsturz am 10. März kamen alle 157 Insassen ums Leben. AP
Bei dem Flugzeugabsturz am 10. März kamen alle 157 Insassen ums Leben. AP

Erster Untersuchungsbericht nach Absturz in Äthiopien liegt vor.

Addis Abeba Die Piloten der im März abgestürzten Boeing 737 Max der Ethiopian Airlines haben sich nach einem vorläufigen Untersuchungsbericht vor dem Unglück an das vom Flugzeugbauer vorgegebene Notfallprotokoll gehalten, aber die Maschine trotzdem nicht unter Kontrolle bringen können. Das teilte die äthiopische Verkehrsministerin Dagmawit Moges am Donnerstagmit. Das Flugzeug war am 10. März abgestürzt, alle 157 Insassen kamen ums Leben. In den Tagen danach wurden weltweit Startverbote für alle Maschinen des gleichen Bautyps verhängt. Im Oktober war in Indonesien ebenfalls eine Boeing 737 Max mit 189 Insassen an Bord abgestürzt.

Es wird vermutet, dass ein automatisches Steuerungssystem in der Boeing 737 Max für beide Unglücke verantwortlich sein könnte, weil die Maschinen ungewöhnlich beschleunigten und dann in steilem Sinkflug abstürzten. Die Steuerungssoftware von Boeing namens MCAS soll eigentlich verhindern, dass die Nase der Boeing 737 Max nach oben gedrückt wird. Doch in manchen Fällen sinkt sie dadurch auch zu weit nach unten ab. In einem solchen Fall ist es nach Angaben des Flugzeugbauers aber möglich, die Kontrolle über die Maschine wiederzuerlangen, wenn die Automatik abgestellt wird. Wie Daten aus dem Flugschreiber nahelegten, tat die Besatzung der Ethiopian-Airlines-Maschine das auch und folgte somit dem Notfallprotokoll. Möglicherweise weil das nichts nutzte und das Flugzeug weiter sank, stellten die Piloten anschließend das System aber wieder an, wie aus Ermittlerkreisen verlautete. Boeing empfiehlt, nach einer Stabilisierung des Flugzeugs durch Abschaltung der Automatik den Rest des Fluges manuell weiterzufliegen. Die äthiopischen Ermittler sprachen diese Abweichung von den Boeing-Empfehlungen nicht an. Moges sagte aber anschließend der „New York Times“, die Piloten hätten MCAS wiederholt an- und abgeschaltet. Details dazu würde man im Abschlussbericht nennen.

Das US-Justiz- und Verkehrsministerium und Kongressausschüsse ermitteln in dem Fall gegen Boeing. Unter Druck ist auch die Luftfahrtbehörde FAA, die die Boeing 737 zugelassen und nach dem Absturz in Indonesien im Herbst nicht mit einem Startverbot belegt hatte.