Meldepflicht für Missbrauchsfälle

Welt / 09.05.2019 • 22:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Papst hat neue Regeln im Umgang mit Missbrauchsfällen veröffentlicht. Rts
Der Papst hat neue Regeln im Umgang mit Missbrauchsfällen veröffentlicht. Rts

Der Papst will mit schärferen Regeln gegen sexuellen Missbrauch durchgreifen.

Rom Papst Franziskus hat am Donnerstag einen Erlass mit neuen Regeln im Umgang mit Missbrauch veröffentlicht. „Vos estis lux mundi“ (Ihr seid das Licht der Welt) lautet der Titel des Motu Proprio, das eine Meldepflicht für Missbrauchsfälle vorsieht. Eine Anlaufstelle für entsprechende Vorwürfe soll in jeder Diözese eingerichtet werden. Alle Kleriker und Ordensleute sind verpflichtet, den kirchlichen Behörden „unverzüglich alle ihnen bekannt gewordenen Berichte über Missbrauch zu melden“. Sie müssen außerdem jeden Versuch anzeigen, die Tat zu vertuschen und den Täter zu decken. Die Meldepflicht gilt nur für Kleriker und Ordensleute, die Laien werden aber ermutigt, sich auch dieses Systems zu bedienen, um Missbrauchs- und Belästigungsfälle der zuständigen kirchlichen Behörde zu melden. Zu den geplanten Neuerungen gehört die Verpflichtung, dass alle Diözesen der Welt bis Juni 2020 über stabile und der Öffentlichkeit leicht zugängliche Verfahren verfügen müssen, um sexuellen Missbrauch durch Geistliche und Ordensleute sowie andere Delikte wie etwa Kinderpornografie anzeigen zu können. Die Ortskirchen sollen je nach eigener Kultur entscheiden, wie diese Anlaufstellen eingerichtet werden sollen.

Das Dokument befasst sich auch mit dem Schutz von Personen, die Missbrauch anzeigen. „Wer eine Meldung erstattet, dem kann kein Schweigegebot hinsichtlich des Inhalts auferlegt werden“, heißt es in dem Schreiben. Wer Missbrauch melde, dürfe „keiner Diskriminierung“ ausgesetzt werden. Das Beichtgeheimnis bleibt von den neuen Normen unberührt. Die Verpflichtung zur Anzeige an die kirchliche Behörde rüttle nicht an den Meldepflichten, welche in den zivilen Rechtsordnungen der jeweiligen Länder vorgesehen sind. Das Motu Proprio regelt außerdem die Ermittlungen gegen Bischöfe und Kardinäle sowie andere Personen, die in der Kirche Leitungsverantwortung tragen.