„Schiffe außer Kontrolle“

Welt / 03.06.2019 • 22:34 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Für Samstag ist die nächste Demonstration des Komitees „No Grandi Navi“ geplant. Dieses setzt sich für eine Verbannung von Kreuzfahrtschiffen aus Venedig ein. Reuters
Für Samstag ist die nächste Demonstration des Komitees „No Grandi Navi“ geplant. Dieses setzt sich für eine Verbannung von Kreuzfahrtschiffen aus Venedig ein. Reuters

Debatte nach Unfall in Venedig. Ermittlung wegen Sicherheitsmängeln.

Venedig Früher oder später musste es passieren. Ein Unglück mit einem Kreuzfahrtschiff. In Venedig. Vor atemberaubender Kulisse. Die Stadt ist knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt, als am Sonntag ein Zehntausende Tonnen schweres Schiff unkontrolliert in eine Anlegestelle und ein Touristenboot donnerte. Vier Menschen wurden verletzt. Der Unfall hat eine erbitterte Debatte über die Riesenschiffe neu entfacht. Am Montag sind die Rufe nach einem Bann der Riesen aus der Lagune nicht verstummt, im Gegenteil. Von „Schiffen außer Kontrolle“ und einer „Wunde im Herzen von Venedig“ ist am Montag in Italien zu lesen.

Die Kolosse inmitten der fragilen Lagune sind Dauerstreitthema. Venedig lebt vom Tourismus, die Kreuzfahrtschiffe tragen einen wichtigen Teil dazu bei. Im vergangenen Jahr brachten sie mehr als 1,5 Millionen Reisende in die Stadt. Gleichzeitig sind die Schiffe ein enormes Risiko für das ökologische Gleichgewicht.

Bürgermeister Luigi Brugnaro beschuldigte die Regierung in Rom, keine Lösung für eine alternative Route außerhalb des Giudecca-Kanals finden zu wollen, der zum berühmten Markusplatz führt. „Es gibt eine Lösung, über die sich alle einig sind: Der Verkehrsminister soll sich entscheiden“, so Brugnaro im Interview mit der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Montagsausgabe). Der Bürgermeister drängt, dass Kreuzfahrtschiffe in Marghera anlegen und über den tiefer auszubaggernden Kanal Vittorio Emanuele und den Canale dei Petroli fahren sollen.

In den nächsten Tagen soll ein Expertenteam eingesetzt werden, das die Sicherheitsvorkehrungen an Bord des Kreuzfahrtschiffes „MSC Opera“ prüfen soll. Der Kapitän hatte einen Motorschaden gemeldet, sagte der Leiter des Schlepperdienstes.