Kokain weiter auf Vormarsch

06.06.2019 • 20:43 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Rekordstand: Die Menge an beschlagnahmtem Kokain hat sich verdoppelt.

Brüssel Die Menge an beschlagnahmtem Kokain in Europa hat sich binnen eines Jahres verdoppelt und einen Rekordstand erreicht. 2017 stellten Fahnder 140,4 Tonnen der Droge sicher, im Vergleich zu 70,9 Tonnen ein Jahr zuvor. Dies geht aus dem am Donnerstag in Brüssel veröffentlichten Jahresbericht der EU-Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht hervor. Dieser bezieht sich größtenteils auf Daten aus 2017 für die 28 EU-Staaten, die Türkei und Norwegen.

Die Menge an beschlagnahmtem Kokain hatte 2006 schon einmal bei 120 Tonnen gelegen, war aber danach kontinuierlich gesunken. Für 2017 meldete die Beobachtungsstelle 104.000 Einzelfunde, im Vergleich zu 98.000 im Jahr davor. Eine besondere Herausforderung sei groß angelegter Schmuggel in Schiffscontainern, hieß es. Besorgt zeigten sich die Experten auch über neue, digitale Vertriebswege zum Endverbraucher. Dealer böten Drogen im Darknet und über verschlüsselte Kommunikationswege an. Neue „Call-Center“ für Kokain brächten die Droge mit Kurieren zu den Kunden – im Wettbewerb mit anderen Kriminellen setzten die Dealer auf zusätzliche Dienstleistungen.

Kokain ist nach Angaben der Beobachtungsstelle die in der EU am häufigsten gebrauchte aufputschende illegale Droge. Rund 2,6 Millionen junge Leute zwischen 15 und 34 Jahren hätten sie 2017 konsumiert. Eine neue Abwasserstudie habe ergeben, dass die Menge an Kokain-Abbauprodukten von 2017 bis 2018 in 22 der 38 überprüften Städte gestiegen sei. Die höchsten Werte wurden in Städten in Belgien, Spanien, den Niederlanden und Großbritannien entdeckt. Insgesamt haben 96 Millionen Erwachsene in der EU bereits irgendwann einmal illegale Drogen probiert, heißt es in dem Bericht weiter. Behördenchef Alexis Goosdeel warnte, synthetische Opioide, die in den USA im Mittelpunkt einer schweren Drogenkrise stehen, seien auch in Europa auf dem Vormarsch.