„Alles war Pfusch“

07.06.2019 • 20:42 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Ex-Mitarbeiter im AKW-Mochovce prangert Missstände an.

Wien Rund vier Monate nach ersten Berichten über Bau- und Sicherheitsmängel des neuen Reaktorblocks 3 des slowakischen Atomkraftwerks Mochovce prangern Informanten erneut Missstände an. „Alles war Pfusch“, sagte ein Ex-Facharbeiter am Freitag im Ö1-Radio. Anhand von 600 Fotos soll er eine umfassende Mängelliste dokumentiert haben.

Risse im Beton, Löcher in Dächern der Turbinenhalle, chaotisch und zu kurz verlegte Strom- und Kontrollkabel, unsachgemäße Schweißnähte und verformte Stahlträger seien nur einige der Missstände im Reaktor 3, berichteten Reinhard Uhrig, Anti-Atom-Sprecher von Global 2000, sowie der Sender unter Berufung auf den Informanten. Die Fotos hatte der ehemalige Facharbeiter, der anonym bleiben wollte, in den vergangenen zwei Jahren aufgenommen. Der Mann, der die Sicherheitsvorschriften überwachen sollte, schilderte zudem grobe Verstöße der Arbeiter sowie fehlende Koordination bei den Bauarbeiten im Reaktor 3.

Der Facharbeiter hatte nach eigenen Angaben die Qualitätsmängel an zuständige Stellen gemeldet – offenbar erfolglos. „Das kann man nicht anschalten, das ist eine Katastrophe“, warnte der Mann. Auch Global 2000 wies in einer Aussendung vom Freitag darauf hin, dass der Atomreaktor Mochovce 3 – mit Unterbrechung – „seit 34 Jahren in Bau“ sei und ein Sicherheitskonzept aus den 70er-Jahren habe. Der AKW-Betreiber SE hatte Ende Mai einer Untersuchung des neuen 3. Reaktorblocks in Mochovce durch die Internationale Atomenergiebehörde IAEO (IAEA) vor seiner Inbetriebnahme zugestimmt. SE hatte die Sicherheitsmängel stets bestritten und von einer Panikmache der Umweltschützer gesprochen. Die zuvor veröffentlichten Vorwürfe wies SE als veraltete bzw. mittlerweile gelöste Probleme zurück, erklärte Global 2000. Die neuen Enthüllungen würden jedoch den aktuellen Zustand des Projekts (Jänner/März 2019) betreffen.