Kampf dem Bus-Kollaps

Welt / 10.06.2019 • 22:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In Rom sind seit 1. Jänner die Zufahrtsbedingungen für Touristenbusse besonders streng. AP
In Rom sind seit 1. Jänner die Zufahrtsbedingungen für Touristenbusse besonders streng. AP

Touristenhochburgen verbannen Reisebusse aus dem Zentrum.

Rom, Hallstatt Turmhoch schieben sie sich durch die Stadt. Biegen um enge Kurven, rangieren. Sie parken, die Türen gehen auf. Reisegruppen ergießen sich auf den Bürgersteig, schieben sich zum Kolosseum. Rom hat nun eine drastische Maßnahme ergriffen: Seit Anfang des Jahres dürfen überhaupt keine Reisebusse mehr durch das historische Zentrum fahren. Wenn sie die Menschen abladen wollen, dann an bestimmten Parkplätzen vor der Verbotszone. Dort kassiert die Stadt ab: Bis zu 30 Minuten Parken in der Zone vor dem Kolosseum oder dem Petersplatz kosten 240 Euro. Auch Florenz hat mit Anfang 2019 die Regeln für Reisebusse in der Gemeinde verschärft. Für Busse mit Benzinmotoren der Schadstoffklasse E 0 und 1 sowie mit Dieselmotoren der Schadstoffklasse 0, 1 und 2 gilt ein komplettes Verbot in der sogenannten „blauen Zone“, zu dem der gesamte Stadtkern gehört.

Proteste von Busunternehmern gegen Einfahrtverbote gab es nicht nur in Rom, sondern auch in Madrid. Dort dürfen Reisebusse zwar weiterhin in der Innenstadt fahren, sie dürfen im Zentrum aber nicht halten und Passagiere nicht überall ein- oder aussteigen lassen. In Amsterdam sollen Touristen entweder mit den Öffentlichen in die Stadt kommen oder außerhalb des Grachtengürtels auf ein Boot umsteigen.

Aber nicht nur große Städte haben ein Bus-Problem. Der Weltkulturerbe-Ort Hallstatt gehört zu den besonders überlaufenen Flecken. Mehr als eine Million Tagesgäste schlendern alljährlich auf der gut einen Kilometer langen Seepromenade entlang. Busse dürfen den malerischen Ort nur noch anfahren, wenn sie vorher eines der begrenzt verfügbaren Tickets gekauft haben. Damit soll die Zahl der Busse, die in kurzer Zeit von 8000 auf rund 20.000 im Jahr gestiegen war, um rund ein Drittel verringert werden. In Rom steigen die Touristen mittlerweile auf Kleinbusse um. Allerdings parken nun diese in Massen vor den Sehenswürdigkeiten und richten zum Teil noch mehr Chaos als die Reisebusse an.