Recycling aus bitterer Not heraus

Welt / 11.06.2019 • 22:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Eliset Gonzalez verspricht, dass die teuren Glühbirnen eine längere Lebensdauer haben, nachdem sie Hand angelegt hat. AP
Eliset Gonzalez verspricht, dass die teuren Glühbirnen eine längere Lebensdauer haben, nachdem sie Hand angelegt hat. AP

Venezuela leidet unter Wirtschaft – Bewohner müssen zum Überleben kreativ sein.

Caracas In wirtschaftlich harten Zeiten in Venezuela gedeihen die Nischengeschäfte. Eliset González hat sich auf ein besonders nachhaltiges Standbein verlegt: Tag für Tag repariert sie kaputte Glühbirnen in einem Kiosk auf einem Markt in Caracas – für Kunden, die sich keine neuen leisten können. Not macht erfinderisch im chronisch krisengeplagten Land in Südamerika. „Ich habe das Gefühl, damit der Gemeinschaft zu helfen, weil diese Glühbirnen heutzutage superteuer sind“, sagt González. „Mir selbst helfe ich auch.“ Wie man eine Glühbirne auseinandernimmt, lernte sie nach eigenen Angaben in einem Gefängnis, in dem sie etliche Jahre wegen Diebstahls verbrachte.

In der einst mit Reichtum gesegneten Ölnation ächzen die Bewohner unter massiven Engpässen bei Lebensmitteln und Medikamenten. Mehr als vier Millionen Venezolaner sind in den vergangenen Jahren vor der Misere ins Ausland geflohen. 2018 kletterte die Hyperinflation auf eine schwindelerregende Rate von mehr als eine Million Prozent.

Kein Wunder also, dass González beileibe nicht die Einzige ist, die sich in Venezuela mit viel Pfiff über Wasser hält. In einem anderen Teil von Caracas etwa kratzt Vladimir Fajardo Geld mit dem Recyceln von allen möglichen Gegenständen zusammen. Oft findet man ihn auf dem Bürgersteig, wo er mit einem geschliffenen Löffel Spielzeugautos aus Plastikflaschen bastelt. Auf seine Arbeit sei er stolz, sagt Fajardo.

Die Sozialpsychologin Elizabeth Cordido sieht einerseits etwas Gutes an den Versuchen von Venezolanern, durch Wiederverwertung über die Runden zu kommen. Doch sei es andererseits „sehr negativ“, dass es erst durch die wachsende Armut dazu gekommen sei, ergänzt die Forscherin an der Metropolitan University in Caracas. „Es tut weh. Es ist schmerzhaft.“