„Ich bin kein Monster“

Welt / 16.06.2019 • 22:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In den Medien wurde Amanda Knox zum Mittelpunkt der Schlagzeilen und als „Engel mit den Eisaugen“ berühmt. Am Wochenende konnte sie ihre Sicht der Ereignisse darstellen. AFP
In den Medien wurde Amanda Knox zum Mittelpunkt der Schlagzeilen und als „Engel mit den Eisaugen“ berühmt. Am Wochenende konnte sie ihre Sicht der Ereignisse darstellen. AFP

Amanda Knox versuchte mit ihrem Auftritt beim Strafjustiz-Festival einen Befreiungsschlag.

Modena Amanda Knox atmet tief durch. Immer wieder. Tränen sammeln sich in ihren Augen, sie legt die Stirn in Falten, spitzt die Lippen. Dutzende Kameras dokumentieren jede Regung bei ihrem ersten Auftritt in Italien, wo Knox jahrelang im Mittelpunkt eines Justizdramas stand.

Zwei Mal wurde die heute 31-Jährige des Mordes an der britischen Austauschstudentin Meredeth Kercher schuldig gesprochen – und zwei Mal freigesprochen. Letzteres hat nichts am öffentlichen Interesse an ihrer Person geändert – auch Jahre später nicht. „Ich bleibe eine kontroverse Figur“, sagt Knox in Modena selbst. Sie werde immer mit dem Mord von 2007 an ihrer Freundin verbunden sein.

Um den medialen Prozess sollte es auch beim Strafjustiz-Festival in Modena gehen, zu dem ohne Knox‘ Anwesenheit wohl deutlich weniger Gäste gekommen wären. Im gut gefüllten Saal hat Knox die Möglichkeit, ihre Version der Ereignisse zu erzählen. „Ich habe tausendmal gesagt, dass ich es nicht war. (…) Es missfällt mir, dass ich es immer wiederholen muss, denn das bedeutet, dass meine Antwort jedes Mal, wenn ich gefragt werde, nicht zählt.“

„Wir haben Amanda eingeladen, weil wir glauben, dass sie die Ikone, also das Symbol des massenmedialen Prozesses ist“, sagt die Anwältin Elena Lenzini vom Organisationskomitee.

Knox sagt, die Realität sei umgeschrieben worden. „Ich war unschuldig. Aber der Rest der Welt hatte entschieden, dass ich schuldig war.“ Ihre Kritik richtet sich gegen sensationslüsterne Journalisten, aber auch gegen die Ermittler. Es sei eine Geschichte kreiert worden und eine Version ihrer selbst, die zu dieser Geschichte passte. „Es war eine falsche Geschichte“, sagt Knox. „Ich bin kein Monster, ich bin einfach nur Amanda.“