Abschuss von MH 17: Vier Rebellen beschuldigt

Welt / 19.06.2019 • 22:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Vor fünf Jahren ist Flug MH17 über der Ukraine abgestürzt. Reuters
Vor fünf Jahren ist Flug MH17 über der Ukraine abgestürzt. Reuters

Boeing im Osten der Ukraine abgeschossen. 298 Menschen starben.

Utrecht Knapp fünf Jahre nach dem Abschuss eines Passagierflugzeuges über der Ukraine sind nun erstmals gegen vier mutmaßliche Täter Haftbefehle ausgestellt worden. Es handelt sich um vier hochrangige pro-russische Rebellen – drei Russen und einen Ukrainer. Ihnen soll ab 9. März 2020 wegen 298-fachen Mordes der Prozess gemacht werden. Das internationale Ermittlerteam habe ausreichend Beweise gesammelt, sagte der leitende niederländische Staatsanwalt Fred Westerbeke am Mittwoch in Nieuwegein bei Utrecht. Aufgrund der Beweise stellte die Staatsanwaltschaft die Haftbefehle aus und es werde Anklage erhoben.

Die Ermittler legten neue Ergebnisse vor und diese weisen erneut nach Russland. Denn drei der Hauptverdächtigen sind russische Staatsbürger mit engen Kontakten zur russischen Armee. Auch die Waffe stammt den Ermittlern zufolge aus Russland: Die Boeing-777 der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH17 war am 17. Juli 2014 über der Ostukraine von einer Luftabwehrrakete des russischen Typs Buk abgeschossen worden. 298 Menschen starben. Das Waffensystem, so hatten die Ermittler schon letztes Jahr dargelegt, stammte von der 53. Brigade der russischen Armee bei Kursk. Die vier Hauptverdächtigen, der Kommandant der pro-russischen Rebellen, Igor G., der frühere russische Geheimdienstoffizier Sergej D., Oleg P., ebenfalls ein hoher Offizier bei den Rebellen, sowie Leonid K., ein Kommandant der Rebellen in Donetsk, sollen verantwortlich dafür sein, dass das Buk-System aus Russland in die Ostukraine transportiert worden war. Moskau weist strikt jede Verantwortung zurück und macht die Ukraine verantwortlich. Die Ermittlungen seien einseitig. Auch die prorussischen Separatisten nennen die Vorwürfe absurd. Der Hauptverdächtige Igor Girkin erklärte: „Die Rebellen haben mit dieser Katastrophe nichts zu tun.“

Das internationale Ermittlerteam kündigte an, es werde Russland und die Ukraine nicht um die Auslieferung der Verdächtigen ersuchen. Westerbeke sagte, das Team habe festgestellt, dass die Verfassungen beider Länder die Auslieferungen nicht zuließen. Nach niederländischem Recht kann der Prozess auch in Abwesenheit der Angeklagten geführt werden.