„Deutliche Warnung“

Welt / 04.07.2019 • 22:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Stromboli ist einer der aktivsten Vulkane der Welt und ein Touristenmagnet. AFP
Stromboli ist einer der aktivsten Vulkane der Welt und ein Touristenmagnet. AFP

Die weitere Entwicklung nach dem heftigen Ausbruch des Vulkans Stromboli sei „vollkommen unvorhersehbar“.

Ginostra, Wien Dass sie auf einem Pulverfass leben, wissen die Bewohner von Stromboli. Nur wenige Hundert sind es, die an einem der aktivsten Vulkane der Welt das ganze Jahr über wohnen. Erst im Sommer beginnt auf der gleichnamigen kleinen Insel vor der sizilianischen Küste der große Rummel. Dann kommen Touristen aus aller Welt, um sich an den herrlichen schwarzen Lavastränden zu sonnen. Am Mittwochnachmittag durchschnitten zwei laute Explosionen das Sommeridyll. Wie ein Kanonendonner kam es von dem gut 900 Meter hohen Feuerberg herab. Eine zwei Kilometer lange Aschesäule stieg in den Himmel, bevor der Rauch die Insel und das Meer verdunkelte. Glühende Lavabrocken fielen wie Feuerregen zu Boden, erzählten Augenzeugen. Besonders der kleine Ort Ginostra war betroffen. Dort in der Nähe starb ein sizilianischer Wanderer, der mit einem Begleiter eine Exkursion zum Vulkan machen wollte.

„Die Menschen haben Schutz in ihren Häusern gesucht oder sind ins Meer gesprungen, um sich vor Lavasteinen zu schützen“, erzählte der Taxifahrer Gianluca Ioppolo, der seit 20 Jahren auf Stromboli lebt, am Donnerstag. Er habe die Menschen am Strand aufgerufen, in höhere Lagen zu laufen – falls Gestein ins Wasser rutscht und einen Tsunami auslöst.

Die Geologische Bundesanstalt in Wien hat am Donnerstag eine „deutliche Warnung“ für Touristen ausgesprochen. „Die weitere Entwicklung ist mit aktuellem Kenntnisstand vollkommen unvorhersehbar“, sagte deren Leiter Robert Supper. An der Geologischen Bundesanstalt, die langjährige Untersuchungsprojekte rund um diesen „aktivsten Vulkan Europas“ durchführte, vernahm man die Nachricht der Explosion mit Besorgnis: Der Stromboli ist aufgrund seiner laufenden kleinen und weitgehend ungefährlichen Ausbrüche eine beliebte Destination. „Eine derart große Eruption ist bei einem solchen Vulkan jedoch ein Alarmzeichen, es droht unmittelbare Gefahr durch Lava, Gesteinsbrocken oder Asche – bis hin zu dadurch ausgelösten möglichen Tsunamis“, warnte die Bundesanstalt.

Seit mehr als 2000 Jahren gerät das Gestein unter dem Liparischen Archipel, zu dem Stromboli gehört, in regelmäßigen Abständen in Bewegung. Kleinere Eruptionen gibt es auf der süditalienischen Insel im Rhythmus von etwa zehn Minuten. Sie sind aber meist nicht wuchtig.

Ein großer Ausbruch des Stromboli ereignete sich am 29. Dezember 2002. Damals rutschte ein Felshang vom Kegel des Hauptkraters ins Meer und löste eine bis zu zehn Meter hohe Flutwelle aus, die auch die Nachbarinseln Lipari und Panarea erfasste.