Ein Plastikmeer

Welt / 07.07.2019 • 22:38 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Vor der Küste Marseilles tauchen Schwimmer im Zuge der „Grand Defi“-Aktion herumschwimmendes Plastik heraus. AFP
Vor der Küste Marseilles tauchen Schwimmer im Zuge der „Grand Defi“-Aktion herumschwimmendes Plastik heraus. AFP

33.800 Plastikflaschen pro Minute: Das Mittelmeer versinkt im Müll.

Wien Pro Minute landen im Durchschnitt 33.800 Plastikflaschen im Mittelmeer – in erster Linie deshalb, weil die Anrainerstaaten scheitern, ihren Kunststoffmüll umweltgerecht zu entsorgen. Diese Menge summiert sich auf mehr als eine halbe Million Tonnen Plastik, die jährlich ins Binnenmeer geschwemmt wird, gab WWF zu bedenken. Wie eine WWF-Analyse zeigt, sammeln sich am Mittelmeer täglich fünf Kilogramm Kunststoffmüll pro Küstenkilometer an. Beliebte Reiseziele der Österreicher zählen zu den meistverschmutzten Gegenden: Barcelona, Tel-Aviv, Valencia, Venedig, das Po-Delta, die Bucht von Marseille und die türkische Region Kilikien. „Der Tourismus erhöht den Druck aufs Mittelmeer. Die kommunale Abfallentsorgung kann mit dem saisonal steigenden Müllaufkommen nicht mithalten. Während der Urlaubszeit mit bis zu 200 Millionen Reisenden steigt die Abfallbelastung der Küstenregionen um bis zu 40 Prozent“, so Axel Hein, Meeresbiologe des WWF Österreich. „Die Natur zahlt den höchsten Preis für die Verschmutzung des Mittelmeeres. Doch auch für die Wirtschaft wird die Plastikflut teuer“, warnte Hein.

Meeresmüll verursache jährlich Kosten von 641 Millionen Euro für Tourismus, Fischerei und maritime Wirtschaft. Gleichzeitig würden Wirtschaftszweige wie der Seehandel und die Fischerei zur Misere beitragen: 20 Prozent des Kunststoffmülls sind verlorene Ladung oder Fischereigerät. Hauptursache für die Verschmutzung ist ein grundsätzlicher Systemmangel, beruhend auf Versäumnissen bei Produzenten und Behörden. Mehr als die Hälfte des im Mittelmeerraum produzierten Kunststoffs landet innerhalb von einem Jahr in der Mülltonne. Der Großteil endet auf Deponien oder in Verbrennungsanlagen, nur ein Bruchteil wird wieder genutzt oder recycelt.