Schwimmendes Atomkraftwerk

Welt / 09.08.2019 • 22:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die „Akademik Lomonossov“ kann eine Stadt mit etwa 100.000 Einwohnern mit Strom versorgen. AP
Die „Akademik Lomonossov“ kann eine Stadt mit etwa 100.000 Einwohnern mit Strom versorgen. AP

Moskau investiert immer stärker in Atomenergie – auch auf See.

Murmansk Das erste schwimmende Atomkraftwerk der Welt sticht bald in See. Russlands milliardenschweres Prestigeprojekt, die „Akademik Lomonossow“, ähnelt trotz der Reaktoren im Inneren einem normalen Schiff. Noch liegt das Schiff im Hafen von Murmansk vor Anker, im November soll die Anlage mit zwei Druckwasserreaktoren an Bord aber ihren Betrieb aufnehmen.

Noch im August soll die 144 Meter lange und 30 Meter breite „Akademik Lomonossow“ von Schleppern rund 4000 Kilometer weit in den äußersten Nordosten Russlands gezogen werden. Dort soll der vor der Küste Tschukotkas produzierte Strom die Hafenstadt Pewek sowie Gas- und Ölbohrinseln vor der Küste mit Energie versorgen. Das Ganze ist Teil eines Plans der russischen Regierung, die abgeschiedene, aber an Bodenschätzen reiche Region auf Vordermann zu bringen.

„Schwimmende AKW bringen viele Vorteile mit sich“, sagt Wladimir Iriminku, der als Ingenieur für Umweltschutz auf der „Akademik Lomonossow“ arbeitet. „Abgelegene Regionen können profitieren, ohne größere Verpflichtungen einzugehen“, sagt er.  Auf der „Akademik Lomonossow“ werden rund 70 Megawatt produziert, die dann ins lokale Stromnetz eingespeist werden. Eine Stadt mit etwa 100.000 Einwohnern könnte damit versorgt werden.

Das bisherige Kraftwerk der Region – Bilibino – ist auf Permafrostboden gebaut, veraltet und anfälliger für Umwelteinflüsse. Durch den Klimawandel taut auch der bisher dauerhaft feste Untergrund auf. „Das schwimmende AKW ist viel sicherer als alles Bisherige: Es kann selbst dem stärksten Tsunami standhalten und ist unsinkbar“, versichert der Vizechef des AKW, Dmitri Alexejenko. Selbst auf potenzielle Terrorangriffe sei man vorbereitet. Kritiker warnen vor einer möglichen Katastrophe im Polarmeer und bezeichnen die Anlage als „schwimmendes Tschernobyl“. Der Energiekonzern Rosatom könne bei einem potenziellen Vorfall kaum rasch handeln, sagt Raschid Alimow von der Umweltorganisation Greenpeace.