Doppelsalto mit Dreifachschraube: US-Star Biles beeindruckt Turnwelt

13.08.2019 • 14:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Spektakulär und unfassbar, aber nicht unmöglich – die amerikanische Rekord-Weltmeisterin Simone Biles hat die Turn-Welt erneut aus den Angeln gehoben.

Kansas City Der 22 Jahre alte US-Star sorgte am Sonntag (Ortszeit) bei den US-Meisterschaften in Kansas City für ein Novum und eine beeindruckende Flugshow. Als erste Frau der Welt stand sie am Boden einen gehockten Doppelsalto rückwärts mit einer Dreifachschraube und kreierte damit ein spektakuläres Turn-Element.

„Ich wollte sehen, wie das aussieht“, sagte Biles, die direkt nach der gelungenen Landung ein zufriedenes Lächeln aufsetzte und den Rest ihrer extrem schwierigen Übung mit einer Leichtigkeit fortsetzte, als würde sie schweben. Noch am Freitag war das 1,42 Meter große Kraftpaket sauer auf sich selbst gewesen, weil sie sich bei der Landung mit beiden Händen auf dem Boden abstützen musste. Doch am Sonntag im Gerätefinale gelang ihr das Element zwei Umdrehungen um die Querachse und drei um die Längsachse perfekt. Nicht nur Turn-Laien mussten sich die Flugeinlage in Zeitlupe anschauen, um die Anzahl der Drehungen mitzählen zu können.

Während den Zuschauern erst der Atem stockte, bevor sie in tosenden Beifall ausbrachen, blieb Biles nach ihrem Husarenstück einigermaßen gelassen. „Es ist nicht so gut wie manchmal im Training gelungen“, meinte sie selbstkritisch, nachdem ihr die Trainer eine zusätzliche Matte auf das Boden-Geviert gelegt hatten, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. „Aber ich bin glücklich, dass ich auf den Füßen gelandet bin, weil mein Selbstbewusstsein ein bisschen gelitten hat. Nach dem missglückten Versuch am Freitag sei sie „wirklich besorgt“ gewesen, ob es am Sonntag klappt. Es klappte.

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Die Fachwelt staunt, der Laie wundert sich. „Sie macht Sachen, von denen ich nie gedacht hätte, dass Menschen sie machen könnten“, sagte die 16 Jahre alte Sunisa Lee, die im Mehrkampf Platz zwei hinter der Ausnahmeturnerin belegte. „Es ist ein Riesending. Niemand hat das zuvor bei den Frauen je geschafft, und sie macht es auch noch besser als die meisten Männer“, schwärmte US-Cheftrainer Tom Forster. Und eine von Biles‘ Konkurrentinnen, MyKayla Skinner, entfuhr es bewundernd: „Sie ist ein verdammtes Biest.“

Erst wenn Biles dieses „Triple-Double“ genannte Element, das sie auf der ersten Bahn ihrer ohnehin schon extrem schwierigen Bodenübung zeigte, auch bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart vom 4. bis 13. Oktober turnt, wird es künftig im Regelwerk des Turn-Weltverbandes FIG auch ihren Namen erhalten. Und vermutlich als „Biles-Salto“ in die Annalen eingehen.

Biles gewann mit 29,40 Punkten (bei den US-Meisterschaften kommen zwei Übungen in die Wertung) nicht nur überlegen den Titel am Boden, sondern holte nach Clara Schroth (1945-1952) als zweite Turnerin den sechsten US-Titel im Mehrkampf. Mit 118,50 Zählern gewann sie nach zwei kompletten Vierkämpfen mit großem Abstand vor Lee (113,55) und Grace McCallum (111,85) die Goldmedaille. Zudem sicherte sich Biles auch die Siege am Schwebebalken und am Sprung.

Mit ihrer Vorstellung in Kansas untermauerte Biles eindrucksvoll ihre WM-Favoritenstellung und die Ambitionen auf ihren fünften Mehrkampf-Titel in Stuttgart. Bislang holte die Ausnahmeturnerin schon insgesamt 14 Mal Gold (Mehrkampf, Team und Geräte) bei den Welttitelkämpfen.