Extremexpedition mit Risiken

Welt / 19.09.2019 • 22:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ziel der Expedition ist, das arktische Klimasystem besser zu verstehen. RTs
Ziel der Expedition ist, das arktische Klimasystem besser zu verstehen. RTs

Das Forschungsschiff „Polarstern“ legt ab, um ein Jahr in der zentralen Arktis zu verbringen.

Bremerhaven Heute, Freitag, bricht das Forschungsschiff „Polarstern“ zu einer außergewöhnlichen Expedition in die zentrale Arktis auf. Rund ein Jahr lang werden sich Forschende mit dem Meereis treiben lassen und dabei Daten sammeln. Es ist die größte Arktis-Expedition aller Zeiten: Ein Budget von über 140 Millionen Euro, rund 600 Fachleute und 300 Helfer aus 19 Nationen, die auf dem Forschungsschiff oder im Hintergrund daran beteiligt sind. Damit dringt die „Mosaic“-Expedition unter Leitung des Bremerhavener Alfred Wegener Instituts in ein Gebiet vor, in das von Februar bis Juni nicht einmal Eisbrecher ihren Weg bahnen können, weil das Eis zu dick ist. Die „Polarstern“ soll einen Großteil der Expedition ohne eigenen Antrieb mit dem Meereis driften, im Mittel sieben Kilometer pro Tag.

Nachdem die „Polarstern“ vom norwegischen Tromso aufbricht, geht die Reise zunächst vor die sibirische Küste. Dort soll sich das Schiff von Eis umschließen lassen. An eine mindestens 1,5 Meter dicke und weitläufige Eisscholle angedockt, wird die „Polarstern“ mit dem sogenannten Transpolardrift reisen. Auf dem umgebenden Packeis sollen ein Basiscamp, ein Netz von Messstationen und eine Landebahn für Versorgungsflugzeuge entstehen.

Gefahren lauern für die Wissenschaftler überall. Während der Arbeit auf dem Eis werden die Wissenschafter von mehreren „Eisbär-Wächtern“ beschützt. Aber auch medizinische Notfälle können eintreten. Ein Chirurg begleitet die Expedition, ein OP-Raum befindet sich an Bord. Denn bis es möglich ist, einen Patienten von Bord zu bringen, kann es Wochen dauern.

„Mosaic“-Expedition in Zahlen

» Im Winter werden Temperaturen von bis zu minus 45 Grad erwartet

» 60 bis 90 Tage lang wird die „Polarstern“ weniger als 200 Kilometer vom geografischen Nordpol entfernt sein

» Bis zu 1000 Kilometer wird die „Polarstern“ vom Festland entfernt sein

» Zurückgelegte Strecke: insgesamt etwa 2500 Kilometer

» während der Expeditionszeit an Bord: sechs Mal im Wechsel jeweils rund 100 Menschen

» Versorgung durch vier Eisbrecher

» Benötigte Landebahn-Länge auf dem Eis für Transportflugzeuge: mindestens 1100 Meter

» Reine Betriebskosten pro Tag: etwa 200.000 Euro pro Tag (ohne Kosten für Instrumente und Wissenschaftler)

» Benötigter Treibstoff: 6000 Tonnen allein für die „Polarstern“

» In 35.000 Meter Höhe wird die höchste, in 4000 Meter Tiefe die tiefste der geplanten Messungen stattfinden