Rabattsysteme und Urlaubstage

Welt / 03.10.2019 • 22:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In Fürth haben sich Fahnder aus 22 Länder getroffen, um die Zusammenarbeit gegen die Rauschgiftkriminalität zu verbessern. dpa
In Fürth haben sich Fahnder aus 22 Länder getroffen, um die Zusammenarbeit gegen die Rauschgiftkriminalität zu verbessern. dpa

Der Drogenhandel im Netz wird immer professioneller.

Fürth Berufsbilder ändern sich im Internet-Zeitalter rasend schnell. Der Drogendealer ist keine Ausnahme. Stand er vor ein paar Jahren noch in Bahnhofshallen, agiert er heute schon zunehmend behände im Netz. Einzelne Rauschgifthändler arbeiten sogar mit richtigen Arbeitsverträgen. „Wir haben bei der Durchsuchung tatsächlich einen Arbeitsvertrag mit einem garantierten Urlaubsanspruch gefunden“, berichtet Jörg Beyser, Leiter des Drogendezernats beim LKA in Bayern bei einer Pressekonferenz in Fürth in Mittelfranken, bei der sich Fahnder aus 22 Ländern zum Austausch getroffen haben. Auch wenn der stationäre Drogenhandel derzeit noch größer ist und der Internethandel noch als Ergänzung gesehen wird: Ginge es nicht um kriminelle Machenschaften, oft genug sogar um Leben und Tod der Abnehmer, könnten die Drogen-Firmen durchaus als vorbildliche Online-Händler durchgehen. „Der Kundenservice ist hervorragend“, sagt Beyser. Sie verfügen über Call-Center und Rabattsysteme, schicken bei Verlust auf dem Postweg anstandslos Ersatz, betreiben Beschwerdehotlines, engagieren Kuriere und Finanzmanager für die Abwicklung des Geldverkehrs.

Irgendwo in dem weit verzweigten System von Produktion, Weiterverarbeitung, Verpackung und Versand der illegalen Ware gibt es Schnittstellen zwischen virtueller und realer Welt. „Dort greifen wir an“, sagt Beyser. Wenn Händler etwa virtuelle Währungen in echtes Geld tauschen müssen. Oder wenn die im Netz bestellte Ware tatsächlich in einen Postkarton wandert und sich auf den Weg zum Abnehmer macht. „Hier sind auch die Postdienste gefragt“, betont Daniel Lichtenegger, beim österreichischen Bundeskriminalamt für Rauschgiftbekämpfung zuständig. Die Paketdienste müssten genauer darauf schauen, was sie zustellen. Die Drogenproblematik in Europa werde trotz der Anstrengungen der Fahnder eher größer als kleiner. Kokain erlebt einen Boom, wie der jüngste Drogenbericht der EU ausweist.