Müll setzt Baikalsee zu

Welt / 04.10.2019 • 22:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
 Der riesige Baikalsee ist eines der beliebtesten Reiseziele Russlands. AP
 Der riesige Baikalsee ist eines der beliebtesten Reiseziele Russlands. AP

Umweltschützer wollen das Naturparadies vor Touristenmassen retten.

Listwjanka Unzählige Touristenbusse halten kilometerweit an den kleinen Stränden an einem der größten Naturwunder Russlands. Der mystische Baikalsee ist das tiefste und älteste Süßwasserreservoir der Welt. Dem kleinen Ort Listwjanka ist seine Geschichte als Fischerdörfchen am Westufer des Sees kaum noch anzusehen – so viele Fremde besuchen den Ort. Noch nie kamen so viele Touristen zum Unesco-Weltnaturerbe Baikalsee wie in diesem Jahr, sagen Umweltschützer. Und noch nie sammelte sich so viel Müll an.

Dem rund 640 Kilometer langen See setzt besonders der wachsende Tourismus zu, sagt sogar der Umweltbeauftragte des Kremls, Sergej Iwanow. „Viele Touristen zelten ohne Genehmigung, Hotels verfügen nicht über Kläranlagen. Zudem grillen viele Menschen wild und verursachen immer wieder schwere Waldbrände.“ Tonnen von Abfall liegen am Ufer und gefährden den See, der an der breitesten Stelle rund 80 Kilometer misst. Iwanow schlägt deshalb vor, eine Touristenquote einzuführen. Die Einwohner von Listwjanka hadern immer wieder mit den Touristenmassen.

Gleichzeitig profitiert die strukturschwache Region enorm von den Besuchern. Auf einer Reise mit der bei Touristen beliebten Transsibirischen Eisenbahn quer durch Russland lässt sich leicht ein Zwischenstopp in dem 2000-Seelen-Ort einlegen. Im vergangenen Jahr kamen nach offiziellen Angaben mehr als 1,6 Millionen Touristen zum Baikalsee; um dort zu wandern, Bootsausflüge zu machen oder an dem extrem kalten Gewässer einfach nur zu entspannen. In Listwjanka schießen Hotels, Restaurants und Badeplätze wie Pilze aus dem Boden. Immer mehr Parkplätze werden für die Touristenbusse gebaut, Straßen erweitert, Wälder dafür gerodet. Nur wenige Meter vom Ufer entfernt gibt es unzählige Baustellen, Marktplätze und Zoos. „Listwjanka erstickt im Tourismus“, sagt Umweltschützerin Galina Sibirjakowa der Deutschen Presseagentur.