Zweiter Verdächtiger in Haft

Welt / 17.10.2019 • 22:38 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Ermittlungen gegen den Pächter des Hofes, einen 58-jährigen Österreicher, dauern an. Es sind noch immer viele Fragen offen. AFP
Die Ermittlungen gegen den Pächter des Hofes, einen 58-jährigen Österreicher, dauern an. Es sind noch immer viele Fragen offen. AFP

Im Fall der isolierten Familie in den Niederlanden ist nun auch der 67-jährige Vater festgenommen worden.

Ruinerwold Die Ermittlungen im mysteriösen Fall einer jahrelang isoliert lebenden Familie in den Niederlanden konzentrieren sich nun auf den österreichischen Mieter des Bauernhofes. Das Gericht der Provinz Noord-Holland in den Niederlanden hat für die Dauer von 14 Tagen die Untersuchungshaft über den 58-jährigen Josef B. wegen des Verdachts des Freiheitsentzugs verhängt. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstagnachmittag per Twitter mit. 

Der abgelegene Hof im ostniederländischen Dorf Ruinerwold wurde inzwischen von einer Spezialeinheit der Polizei durchsucht. Im Zuge der Ermittlungen haben die Behörden in der rund 15 Kilometer entfernten Ortschaft Zwartsluis zwei Hausdurchsuchungen durchgeführt.

Mitglied bei Vereinigungskirche

 Am Donnerstagabend auch der 67 Jahre alte Vater festgenommen worden. Er werde der Freiheitsberaubung, Misshandlung und Geldwäsche verdächtigt, teilte die Polizei in Assen in der ostniederländischen Provinz Drenthe mit. „Wir haben den Vater festgenommen“, bestätigte eine Polizeisprecherin.

In niederländischen Medien gibt es zwischenzeitlich erneut Hinweise auf eine Mitgliedschaft bei der Vereinigungskirche, die auch unter dem Namen Moon-Sekte bekannt ist. Wie der Fernsehsender „RTV Drehnte“ und die Zeitung „De Telegraaf“ am Donnerstag übereinstimmend berichteten, soll die Familie Verbindungen zur Moon-Bewegung haben. „De Telegraaf“ berief sich auf Angaben eines Verwandten des 67-jährigen Vaters der Familie, der selbst ein Mitglied ist. Laut „RTV Drehnte“ haben sich der Vater der Familie und der festgenommene Österreicher über diese Gemeinschaft kennengelernt. Die Vereinigungskirche wies bereits am Mittwoch Berichte gegenüber der APA zurück: Der 58-jährige Österreicher sei weder bei der Vereinigungskirche in Österreich noch in den Niederlanden Mitglied gewesen.

Ehemalige Nachbarn

Weiters schrieben niederländische Medien, dass der Österreicher und die Familie einander bereits vor dem Aufenthalt in Ruinerwold gekannt hätten. Sie sollen laut „de Volkskrant“ zuvor in der Ortschaft Hasselt bei Zwolle Nachbarn gewesen sein. Der 25-jährige Hofbewohner, der am Montag in einem Wirtshaus um Hilfe gebeten und den Fall so ins Rollen gebracht hatte, habe Hasselt zudem als seinen Geburtsort genannt. Später habe er in Zwartsluis gelebt, jener Ortschaft, wo der Vater bis 2008 einen Spielwaren- und Holzhandel betrieben hat. Das Geschäft und ein weiterer Betrieb wurden von den niederländischen Behörden durchsucht. Über den Holzhandel könnte auch der Kontakt zum verdächtigen Österreicher geknüpft worden sein, denn dieser dürfte in der wenige Kilometer entfernten Stadt Meppel eine Firma registriert haben, die auf Holz spezialisiert ist, wie das niederländische Firmenregister nahelegt.

Familie war nicht registriert

Nach Angaben der Polizei scheint keines der Familienmitglieder in Ruinerwold in Drenthe bei der Grundverwaltung registriert zu sein. Das könnte erklären, warum die Behörden bisher untätig waren. Auf dem Bauernhof könnte sich die Familie von auf dem Gelände angebautem Gemüse ernährt haben. Laut Medienberichten soll die isolierte Familie noch drei weitere Mitglieder haben. Bisher ging man von sechs Kindern im Alter von 18 bis 25 Jahren und dem bettlägerigen Vater aus, der Lokalsender „RTV Drenthe“ berichtete nun, dass es noch drei ältere Töchter geben soll. Sie sollen älter als 25 Jahre sein.

Die zuständige Polizeibehörde bestätigte am Donnerstag, dass die Exekutive auf dem Bauerhof selbst sechs Personen angetroffen hatte. Der 25-Jährige war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf dem Gelände anwesend. Das Alter und die Identität der  Personen sind weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Auch die Frage, ob sich alle Personen unfreiwillig auf dem Hof aufgehalten haben, war bisher noch ungeklärt.